Diabetes und Schwangerschaft

Expertenchat mit Dr. Jens Stupin

Am 8. August 2019 findet der Expertenchat zum Thema "Diabetes und Schwangerschaft" mit Dr. med. Jens Stupin statt. Er beantwortet Ihre Fragen am Donnerstag live zwischen 17:00 und 19:00 Uhr.

Dr. Jens Stupin

Dr. med. Jens Stupin

Charité – Universitätsmedizin - Virchow-Klinikum
Augustenburger Platz 1
13353 Berlin
Protokoll der Sprechstunde

Betreff: Späte Gestationsdiabetes-Diagnose - Risiken Kind

Katharina S. fragt: 

Mein Gestationsdiabetes wurde aufgrund der Urlaubszeit erst sehr spät (jetzt in der 30. SSW) diagnostiziert. Ich bin nicht übergewichtig (vor der Schwangerschaft BMI von 21,5; Gewichtszunahme bisher 9 kg) und ernähre mich sehr gesund (viel Gemüse und Obst, viel mageres Fleisch, Naturjoghurt, kein helles Brot, kaum Zucker) und bewege mich viel (zuletzt jeden Tag ein bis drei Stunden Bergwandern im vierwöchigen Urlaub). - Kann die nicht erfolgte Behandlung aufgrund der späten Diagnose mein Kind bereits geschädigt bzw. seine Risiken (aufgrund intrauteriner Programmierung) bereits deutlich erhöht haben? - Was kann ich (außer kompletter Zuckervermeidung) noch tun, um dem Diabetes entgegenzuwirken?

Dr. med. Jens Stupin antwortet: 

Liebe Katharina,

es kommt bei Ihnen auf die Blutzuckerwerte an, die Sie selbst messen. Liegen diese im normalen Bereich, sind Langzeitfolgen für Ihr Kind eher unwahrscheinlich. Lassen Sie auch bitte einen Ultraschall und Gewichtsbestimmung machen. Bewegung ist sehr gut, aber komplette Zuckervermeidung (außer Zucker die schnell ins Blut gehen) wird nicht empfohlen.

LG

Dr. Jens Stupin

Betreff: Diabetes udn Schwangerschaft

Kathrin fragt: 

Hallo,

ich hatte in meiner letzten Schwangerschaft etwas entgleisende Blutzuckerwerte . Inzwischen ist meine Tochter 4 Monate alt und ich dachte eigentlich, dass ich das Thema abhaken könnte. Nun hab ich gerade 500 g Kartoffeln gegessen und da das in der Schwangerschaft meinen Blutzucker komplett in die Höhe getrieben hätte, hab ich aus Spaß mal gemessen. 181 mg/dl nach 45 min. Bin ein bisschen geschockt. Ist das normal oder muss ich mir Gedanken machen? Das ist doch definitiv zu hoch für einen gesunden menschen, oder?

LG Kathrin

Dr. med. Jens Stupin antwortet: 

Liebe Kathrin,

bitte machen Sie sich erst einmal keine Sorgen, ein einzelner Wert, den Sie schon nach 45 min gemessen haben, ist nicht wirklich aussagekräftig. Bitte lassen Sie zunächst bei Ihrem Facharzt einen 75-g-oGTT machen.

LG

Dr. Jens Stupin

Betreff: Diabetes und Schwangerschaft

Regina G. fragt: 

Guten Tag,

ich bin in der SSW 36 und aufgrund meiner ss-diabetes wurden 13,8 Gad Antikörper im Blut festgestellt. Die Grenze soll wohl 0,7 betragen. Ich komme sehr gut ohne Insulin aus. Komme zurzeit meistens 1 Stunde nach dem Essen nicht mal an die 120. Nur nüchtern bin ich zwischen 90 und 100 , was für die schwangerschaft etwas erhöht ist, ich dennoch keinen Grund sehe mich zu spritzen, denn der Zwerg ist klein... Mein Langzeitwert liegt bei 5,6. Beim ogtt Test hatte ich sehr hohe Werte ( nüchtern um die 120) da ich über einen Monat aufgrund einer Schwangerschaftskomplikation nur liegen durfte. Ein Tag später nach dem Go meines Frauenarztes, mich wieder bewegen zu dürfen, war schon dieser Ogtt test. Nun meine Fragen: ist das schon manifester typ 1 Diabetes ? Meine ernährungsberaterin ist der Meinung ich habe bereits jetzt Diabetes Typ 1 und nicht zu Gestationsdiabetes. Und können die GAD Antikörper wieder zurückgehen oder ist die Diagnose typ 1 schon komplett gesichert? Und muss der T1 überhaupt ausbrechen? Alle anderen Antikörper waren negativ. Danke für Ihre Einschätzung.

Viele Grüße Regina

Dr. med. Jens Stupin antwortet: 

Liebe Regina,

leider muss man von der Entwicklung eines Typ 1 Diabetes bei Ihnen ausgehen. Sie haben aber sicher noch eine restliche Insulinproduktion. Bitte lassen Sie nach der Schwangerschaft noch einmal die GAD-Antikörper bzw. die Rest-Insulin-Funktion bestimmen.

LG

Dr. Jens Stupin

Betreff: Diabetes und Schwangerschaft

René K. fragt: 

Lieber Herr Dr. Stupin,

meine Schwester ist schwanger und es würde der übliche ogtt anstehen. Der Frauenarzt verweist nun aber darauf, dass ihr hba1c bei 5,2 liegt und nach neusten Erkenntnissen, auch aus den Niederlanden, dies dazu führt das bei unter 5,2 der schwangerschafts ogtt nicht mehr durchgeführt wird. Erst bei Werten darüber wär dies der Fall......stimmt das?

Viele Grüße René

Dr. med. Jens Stupin antwortet: 

Lieber René,

nein das stimmt nicht. Der HbA1c ist in der Schwangerschaft nicht gut aussagekräftig, die Diagnose eines Gestationsdiabetes kann man damit nicht stellen.

Ihre Schwester sollte auf jeden Fall einen 50 g Test oder gleich einen 75-g-oGTT durchführen.

LG

Dr. Jens Stupin

Betreff: Diabetes und Schwangerschaft

Isabell F. fragt: 

Hallo Herr Dr. Stupin,

vor einiger Zeit wurde bei mir eine Schwangerschaftsdiabetes festgestellt. Bis zur 32 SSW konnte ich dies sehr gut durch eine Ernährungsumstellung kompensieren. Nun muss ich mir leider Nachts sowie auch Tagsüber Insulin spritzen. Vor dem Essen muss ich mir zwischen 4 und 8 Einheiten spritzen, je nachdem was auf dem Speiseplan steht. Da ich in der "Einstellungsphase" bin, teste ich es natürlich aus. Bei einer Mehlspeise hatte ich ohne Insulin einen niedrigeren Zuckerwert als ein paar Tage später mit 8E Insulin?! Gleiches Problem bei Spagetti mit Tomatensauce. Ohne Insulin war ich in der Regel bei eine Zuckerwert von ca. 130, mit Insulin (6E) bin ich plötzlich knapp an die 150 gerutscht. Kann es sein das der Körper erst ne Zeit braucht um sich an das Insulin zu gewöhnen oder kann man sich wirklich falsch spritzen?

Danke für eine Antwort Isabell

Dr. med. Jens Stupin antwortet: 

Liebe Isabell,

eine "Gewöhnungsphase" gibt es beim Insulin nicht.  Natürlich können solche "Ausreißer" auch einmal vorkommen... Möglicherweise ist aber Ihr Messgerät defekt oder Sie haben falsch gespritzt? Das ist von hier aus schwer zu beurteilen. Bitte stellen Sie sich bei Ihrer Diabetesberaterin vor und gehen mit ihr noch einmal alle Fehlerquellen durch.

LG

Dr. Jens Stupin

Betreff: Diabetes und Schwangerschaft

Romina R. fragt: 

Hallo,

ich habe eine Frage zum Thema Schwangerschaft. Ich konnte in den letzten Monaten mein HbA1c von 10 auf 7,2 senken und mein Diabetologe hat mir nun grünes Licht für eine SS gegeben. Nun habe ich schon zum wiederholten Mal das Problem, dass die Werte nach den fruchtbaren Tagen ziemlich schwankend sind. Ich frage mich daher, ob das normal ist, bzw. ob diese erhöhten Werte sich schon negativ aufs Kind auswirken könnten, falls die Befruchtung geklappt hätte. Oder wäre das die ersten Wochen nicht so schlimm? Also wir reden hier über den Zeitrahmen VOR Ausbleiben der Regel....Schließlich will ich ja nach Möglichkeit alles vermeiden, was dem Kind schaden könnte.

Danke und Gruß Romina

Dr. med. Jens Stupin antwortet: 

Hallo Romina,

ein Ausgang-HbA1c von 7,2% ist schon einmal sehr gut und mit deutlich weniger Risiken verbunden als 10.

Schwankungen der BZ-Werte im Zyklus sind normal. Auch wenn die Befruchtung geklappt hat, schaden diese dem sich entwickelnden Embryo wahrscheinlich erst einmal nicht. Bitte suchen Sie für weitere Kontrolleregelmäßig Ihren Diabetologen/Gynäkologen auf. Viel Erfolg für die Schwangerschaft!

LG Dr. Jens Stupin

Betreff: Diabetes und Schwangerschaft

Frage: 

Stimmt es, dass Frauen mit Bluthochdruck ein erhöhtes Risiko haben, ein behindertes Kind zu bekommen, da das Kind eventuell nicht richtig versorgt werden könnte? Ich habe Bluthochdruck und t1 Diabetes. Ich habe Angst, dass ich keine gesunden Kinder bekommen kann.

Viele Grüße Resa

Antwort: 

Hallo Resa,

Bluthochdruck in Kombination mit einem T1D ist eine Risikosituation, das stimmt, aber: wegen der Gesundheit des Kindes sollten Sie sich erst einmal nicht sorgen.

Viel wichtiger ist: BEVOR Sie schwanger werden zu Ihrem Diabetologen zu gehen und alles gut vorzubereiten: also gute normnahe BZ-Einstellung, HbA1c möglichst unter 7% (vom HbA1c hängt die Wahrscheinlichkeit einer Fehlbildung ab). Außerdem beraten Sie bitte eine evtl. Umstellung Ihrer Blutdruckmedikation, da Ihr Medikament möglichweise nicht in der Schwangerschaft genommen werden darf/bzw. das Kind schädigen könnte.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.

 

LG Dr. Jens Stupin

Betreff: Diabetes und Schwangerschaft

Tanja R. fragt: 

Lieber Herr Dr. Stupin,

habe Typ 2 Diabetes und nehme Metformin 500 ein. Was können Sie mir empfehlen - bereits bei der Planung der Schwagnerschaft: direkt auf Insulin umstellen oder (noch?) bei Metformin bleiben? Und bei Feststellung der Schwangerschaft - Metformin weiter nehmen oder sofort absetzen??

Danke und liebe Grüße Tanja

Dr. med. Jens Stupin antwortet: 

Liebe Tanja,

Metformin ist in Deutschland offiziell in de Schwangerschaft nicht zugelassen. Es müsste also, sobald Sie schwanger geworden sind, abgesetzt werden. Danach müsste man anhand Ihrer BZ-Werte entscheiden, ob Sie evtl. Insulin benötigen.

Allerdings: Metformin ist in vielen anderen Ländern zugelassen, und es gibt inzwischen Studien, die keine organische Schädigung des Kindes auch im Langzeit-Outcome gezeigt haben. Allerdings war in einer Langzeitstudie im Alter 7-9 J. etwas mehr Übergewicht aufgetreten, wenn Metformin in der Schwangerschaft genommen wurde.

In Deutschland wäre eine weitere Einnahme als sog. "off-labe use" möglich. Sprechen Sie darüber mit Ihrem Diabetologen. Viele Frauen haben damit gute Erfahrungen gemacht.

Sie müssen also letztendlich selbst entscheiden, das kann ich Ihnen nicht abnehmen.

Viele Erfolg.

LG Dr. Jens Stupin

 

Betreff: Diabetes und Schwangerschaft

Christiane S. fragt: 

Sehr geehrter Herr Dr. Stupin,

ich möchte gerne schwanger werden, habe Typ 1 Diabetes und mein Hba1c Wert ist derzeit noch über 7. Meine Diabetologin meinte, dass er vor der Schwangerschaft erst einmal runter muss. Habe den Diabetologen gewechselt. Mein neuer Arzt mreint nun, dass es egal seii und ich in der Schwangerschaft an meinem wert arbeiten soll. Denn da würde er sich eh nochmal verändern. Was stimmt nun???

MfG Christiane

Dr. med. Jens Stupin antwortet: 

Hallo Christiane,

leider weiß ich nicht, wie weit Ihr HbA1c über "7%" ist... Werte bis ca. 7,5% wären akzeptabel. Auf jeden Fall gilt: je höher, um so größer ist die Gefahr für eine Schädigung des Ungeborenen, oder dass es zur frühen Fehlgeburt kommt.  

Bitte versuchen Sie den Wert gut einzustellen VOR der Schwangerschaft! Viele Erfolg dabei!

Freundliche Grüße

Dr. Jens Stupin

Betreff: Diabetes und Schwangerschaft

Filiz R. fragt: 

Seit fast 20 Jahren habe ich Diabetes Typ 1. ich habe einen Schwangerschaftswunsch und bereite mich derzeit darauf vor, ein Kind zu bekommen - mit allem drum und dran (Diabetetologe etc.) Meine Frage nun: wie kann/solleine Diabetikerin in der Schwangerschaft, in der ja sowieso durch die Hormonumstellungen alles mögliche durcheinandergeht, mit Schwangerschaftsbedingter Übelkeit klarkommen. Für Diabetiker ist dies ja eine besondere Herausforderung. Wie bereitet man sich darauf vor, was macht man, wenn man 6 mal täglich brechen muss (bei einer Freundin war das so), etc. Muss man dann besondere Dinge beachten, wenn ja was und wie kann man sich vor Übelkeit vielleicht auch schützen? Danke für Ihre Hilfe. Viele Grüße Filiz R.

Dr. med. Jens Stupin antwortet: 

Hallo Filiz,

erst einmal wünsche ich Ihnen viel Erfolg beim schwanger werden. Bitte sehen Sie es positiv: es ist ja nicht gesagt, dass Sie überhaupt so starke Übelkeit entwickeln. Viele Schwangere sind davon gar nicht betroffen...

Viel tun dagegen kann man allerdings nicht: ausreichend trinkend, gesunde Ernährung wenig Stress! helfen oft.

Wenn es zu stark wird, müssen Sie evtl. stationär in einer Klinik aufgenommen werden. Dort erhalten Sie dann über die Vene eine Infusionstherapie, die nach einigen Tagen anschlägt. Dabei muss man natürlich Ihren BZ im Augen behalten und ggf. das Insulin etwas reduzieren...

Freundliche Grüße

Dr. Jens Stupin

Betreff: Diabetes und Schwangerschaft

Eva B. fragt: 

Lieber Herr Stupin,

ich hatte in der ersten SS Gestationsdiabetes. Nun bin ich wieder schwanger in der 6. SSW etwa. Empfehlen Sie einen früheren oGTT Test noch vor der 20. SSW oder kann ich beruhigt bis dahin warten? Zudem: Soll ich besser gleich zum Diabetologen gehen?

VG Eva

Dr. med. Jens Stupin antwortet: 

Liebe Eva,

ja, Sie haben ein Risiko, wieder Schwangerschaftsdiabetes zu entwickeln. Bitte machen Sie noch vor 24 SSW einen Test (Nüchternglukose)! Den Test können Sie sowohl bei einem Diabetologen als auch einem Gynäkologen machen lassen.

LG Dr. Jens Stupin