Schüleraustausch und Sprachreise mit Diabetes: Das musst du wissen

Zwei Mädchen in Schuluniform im Chemieunterricht
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Auch mit Diabetes kannst Du Deinen Traum von einem Auslandsjahr in einer Schule oder einer Sprachreise in den Ferien verwirklichen. Die meisten Jugendlichen aus Deutschland sind zwischen 15 bis 17 Jahre alt, wenn sie an einer Sprachreise oder einem Schüleraustausch teilnehmen. Der Großteil der jungen Menschen mit Diabetes in diesem Alter kann den eigenen Diabetes schon sicher selbständig managen. Dennoch bringt ein längerer Aufenthalt im Ausland – sei es ein paar Wochen, ein Semester oder ein ganzes Schuljahr – spezielle Herausforderungen mit sich. Eine gute Vorbereitung ist deshalb das A und O.

Wir haben die wichtigsten Informationen und Tipps für Dich zusammengefasst, damit Dein Auslandsabenteuer auch mit Diabetes zum vollen Erfolg wird. 

Die richtige Vorbereitung ist entscheidend

Eine Sprachreise oder Schüleraustausch mit Diabetes erfordert sorgfältige Planung und offene Kommunikation. Hier sind die wichtigsten Punkte, die Du vor Deiner Reise beachten solltest:

  • Organisation & Kommunikation: Informiere die Austauschorganisation in Deiner Bewerbung über Deinen Typ-1-Diabetes. Auch Deine Gastfamilie sollte vor Deiner Ankunft Bescheid wissen. Wenn Du vor Ort angekommen bist, solltest Du Deine Gastgeber*innen noch einmal detailliert über Dein Diabetes-Management aufklären.
  • Selbstständigkeit: Mach Dir bewusst, dass Du im Ausland vieles selbst regeln musst. Du solltest in der Lage sein, Deine Blutzuckerwerte eigenständig zu messen und Dein Insulin anzupassen. Ein Schüleraustausch ist daher oft erst ab 15 oder 16 Jahren sinnvoll, wenn Du dafür das nötige Wissen und Selbstverantwortung mitbringst.
  • Insulin und Diabeteshilfsmittel: Plane genug Insulin für die gesamte Aufenthaltsdauer ein – am besten nimmst Du eine Reserve für ein paar extra Wochen mit. Transportiere Insulin und wichtige Diabetesprodukte wie Traubenzucker, Blutzuckermessgerät, Sensoren, Katheter oder Ersatz-Patch-Pumpe immer im Handgepäck. Am besten packst Du Medikamente und Hilfsmittel in der Originalverpackung mit Beipackzettel ein. Eine ärztliche Bescheinigung für die Mitnahme der Medikamente und Hilfsmittel ist dabei unerlässlich. Denke auch an eine Diabetes-Kühltasche für den Transport von Insulin. Außerdem solltest Du für Notfälle rechtzeitig vor Deiner Abreise überprüfen, ob die Insuline, die du verwendest, auch in deinem Zielland vorhanden sind und wie sie dort heißen. Das Gleiche gilt für deine Diabeteshilfsmittel. 

Wichtig zu beachten: Der Ersatz von Pumpen oder Sensoren kann in einigen Regionen lange dauern oder wird gar nicht angeboten. Hier solltest Du alternative Therapieoptionen einplanen. 

  • Notfallplan und -Kit: Eine Ersatzpumpe sollte rechtzeitig vor Abreise beim Pumpenhersteller beantragt werden. Als Backup ist es außerdem ratsam, Insulinpens mitzunehmen. Erstelle gemeinsam mit Deinem Diabetesteam einen Plan für die konventionelle Insulintherapie (ICT), den Du im Notfall anwenden kannst. Für den Notfall solltest Du auch mindestens ein, besser sogar zwei Glukagon-Hypokits oder Glukagon-Nasenpulver einpacken. 
  • Zeitumstellung: Bei Langstreckenflügen mit Zeitverschiebung solltest Du die Anpassung Deiner Insulinpumpen- und Insulin-Dosierung vor der Abreise detailliert mit Deinem Diabetesteam besprechen.
  • Kranken- & Reiseversicherung: Für einen längeren Aufenthalt außerhalb der EU ist meistens eine private Auslandskrankenversicherung erforderlich. Doch für Menschen mit Typ-1-Diabetes gestaltet sich die Suche nach einem passenden Anbieter oft schwierig. Hinzu kommt, dass private Auslandskrankenversicherungen häufig für längere Aufenthalte nicht ausreichen und in der Regel nur Behandlungen für akute diabetische Notfälle wie eine Stoffwechselentgleisung (d.h. starke Unter- oder Überzuckerung) übernehmen. Planbare Leistungen wie regelmäßige Besuche in einer Diabetologie oder der Kauf von Insulin vor Ort werden nur selten übernommen. Als Lösung bieten sich spezielle Regelungen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für Schüler*innen und Studierende an. Das sollte man früh genug mit der eigenen Krankenkasse klären. 
  • Arztbesuche: Nicht in allen Ländern gibt es erfahrene Diabetolog*innen. Eine gute Lösung ist es, per Online-Sprechstunde mit dem vertrauten Diabetes-Team in Deutschland in Kontakt zu bleiben. Falls Du vor Ort Unterstützung benötigen solltest, kannst Du Dich über Organisationen wie die ISPAD vorab über spezialisierte Fachkräfte in deiner Reiseregion informieren. 
  • Ärztliche Atteste: Für manche Länder wie die USA benötigst Du möglicherweise eine Sporttauglichkeitsbescheinigung. Außerdem ist es ratsam, denFlugbegleiter*innen auf Langstreckenflügen zu sagen, dass Du Typ-1-Diabetes hast – das sorgt für zusätzliche Sicherheit und Wohlbefinden.

Gut vorbereitet wird Dein Auslandsjahr garantiert unvergesslich – und der Diabetes zur Nebensache. Damit auch in den USA und in Ländern des Globalen Südens alles glattläuft, haben wir dazu noch ein paar wichtige Informationen zusammengefasst. Außerdem erwartet Dich noch ein authentischer Erfahrungsbericht von einem Austauschaufenthalt in England. 

Auslandsaufenthalt in den USA 

Besondere Vorsicht ist bei längeren Aufenthalten in den USA geboten, da das dortige Gesundheitssystem extrem teuer ist. Krankenhausaufenthalte, beispielsweise aufgrund einer Ketoazidose, führen schnell zu fünfstelligen Summen, die von vielen Versicherungen nicht vollständig abgedeckt werden und somit im Ernstfall selbst getragen werden müssen. Zudem zeigen sich die USA derzeit sehr restriktiv bei der Einreise. Große Mengen an mitgeführten Medikamenten und medizinischem Material können bei den Grenzbehörden zu Problemen führen, weshalb es essenziell ist, die aktuellen Einreiseregelungen vorab genau zu prüfen. Da die Mitnahme eines kompletten Vorrats für Langzeitaufenthalte oft nicht möglich ist, solltest Du frühzeitig kreative Lösungen für den Nachschub vor Ort planen und ärztliche Bescheinigungen in englischer Sprache bereithalten.

Auslandsaufenthalt in Ländern im Globalen Süden 

Wenn Du Dich dafür entscheidest, Deinen Auslandsaufenthalt in ein Land im Globalen Süden zu machen, musst Du damit rechnen, dass es auch mal längere Stromausfälle geben kann. In dem Fall würden weder dein AID- noch CGM-System laufen. Für solche Situation solltest Du vorbereitet sein! Plastikspritzen oder Pens und batteriebetriebene Blutzuckermessgeräte mit Teststreifen sind eine wichtige Überbrückung und Lösung.

Mein Auslandssemester mit Diabetes: Luisas Erfahrungsbericht

Ich lebe, seit ich anderthalb Jahre alt bin, mit Typ-1-Diabetes. Trotzdem habe ich mich nie davon abhalten lassen, meine Träume zu verwirklichen. Heute, mit 25 Jahren, blicke ich auf viele Erfahrungen zurück, und eine der schönsten war mein dreimonatiges Auslandssemester in der 10. Klasse in Devon, Südengland. Mit 15 war das meine erste Zeit, in der ich komplett allein für meine Diabetestherapie verantwortlich war.

Vor der Bewerbung bei der Austauschorganisation hatte ich große Sorge, dass sie mich aufgrund meines Diabetes ablehnen würden. Glücklicherweise war das kein Problem. Ich war damals bereits sehr selbstständig im Umgang mit meiner Erkrankung und hatte gelernt, verantwortungsvoll mit meinen Blutzuckerwerten umzugehen. Ein Schüleraustausch war immer ein großer Traum von mir und mir war bewusst, dass dieser nur wahr werden konnte, wenn ich mich um meinen Diabetes ordentlich kümmere. Über die Zusage habe ich mich damals riesig gefreut. 

Die offene Kommunikation über meine Erkrankung war mir von Anfang an wichtig. Ich habe mit meiner Gastfamilie schon vor der Abreise telefoniert und die wichtigsten Details besprochen. Den Rest haben wir dann vor Ort geklärt. Ich hatte großes Glück: Meine Gastfamilie – meine Gastmutter, Gastschwester und Gastoma – haben mich trotz meines Diabetes mit offenen Armen empfangen und waren sehr aufmerksam. Auch die Hausärztin meiner Gastmutter war informiert, sodass ich im Notfall immer eine Anlaufstelle gehabt hätte.

Für meinen Auslandsaufenthalt habe ich mich gut vorbereitet. Ich hatte Glück, dass meine Eltern bereits eine Auslandskrankenversicherung für die ganze Familie abgeschlossen hatten, so dass ich mich vor der Abreise nicht mehr darum kümmern musste. Mein Insulin habe ich für die drei Monate komplett mitgenommen, genauso wie meine Pen-Nadeln, Messtreifen, mein Messgerät (Anfang 2016 hatte ich noch keinen Sensor) und die Glukagon-Notfallspritze. In meiner Schule in England wurde ebenfalls die Schulkrankenschwester informiert und gemeinsam mit ihr habe ich ein kurzes Gespräch mit meinen Lehrer*innen geführt, damit auch sie Bescheid wussten.

Mein Auslandssemester war eine der schönsten Zeiten meines Lebens. Ich kann jeder/jedem Jugendlichen mit Diabetes einen solchen Austausch nur wärmstens empfehlen. Mit der richtigen Einstellung, guter Planung und offener Kommunikation mit der Austauschorganisation, Gastfamilie, Schule und dem Diabetesteam von zu Hause ist dieser Traum absolut machbar.