Keine Angst vor neuer Technik: Leben mit Insulinpumpe und kontinuierlicher Glukosemessung

Expertenchat mit Ulrike Thurm

Am 22. April 2020 findet der Experten-Chat zum Thema "Keine Angst vor neuer Technik: Leben mit Insulinpumpe und kontinuierlicher Glukosemessung" mit Ulrike Thurm statt. Sie beantwortet Ihre Fragen live am Mittwoch zwischen 17:00 und 19:00 Uhr.

Ulrike Thurm
Ulrike Thurm

Ulrike Thurm

Schönhauser Allee 118
10437 Berlin
Protokoll der Sprechstunde

Betreff: Intensivierte Insulinpumpen-Therapie

Evelin G. fragt: 

Hallo Frau Thurm, vielen Dank für Ihr Gesprächs- und hilfsangebot! Ich habe freilich den Eindruck, dass die meisten Diabetiker*innen eher an dem aktuell grottenschlechten Medizintechnik-Angebot leiden & nur wenige Betroffene mit Berührungsängste zu kämpfen haben? • Nur 1 Pumpe & rtCGM-System lassen sich derzeit kombinieren Medtronic bestimmt geschickt was genutzt werden soll • Hersteller-Software wird aufwendig beworben – kann aber nur genutzt werden, wenn Nutzer ihre sensiblen Daten ins Ungewisse schicken • Der universelle Luer-Anschluss „ist Schnee von gestern“ (Reservoir/Schlauchsystem) • Innovative Pumpensysteme sind in „Old Germany“ unbekannt bzw. nicht verfügbar usw., usw., usw. Allein wenn ich an die „Tandem“- t: slim X2 – Insulinpumpe denke, werde ich von ganz anderen Ängsten heimgesucht! Das Gerät wird seit mehreren Jahren beworben; auf Kongressen vorgestellt, in Chats diskutiert & im Internet kann ich mich über Aussehen & Funktion informieren. Nur eines kann offenbar immer noch nicht realisiert werden: Die Nutzung der Pumpe (in Kombination mit dem rtCGM DexcomG6!). „Der Produktlaunch ist voraussichtlich für Ende Mai 2020 vorgesehen“ mailt die Vertriebsfirma. Ach ja? gundram 15.04.20

Ulrike Thurm antwortet: 

Liebe Evelin,

ja, Du hast recht, wir werden hier auf eine Geduldsprobe gestellt, aber es gibt Licht am Ende des Tunnels. Laut meinen Informationen wir die Tandem t:slim Ende nächsten Monats, also ganz bald, auf dem deutschen Markt erhältlich sein. Ebenso ist Diabeloop schon CE zertifiziert und auch andere, interoperabele CGM und CSII Systeme sind in "naher Zukunft" erhältlich.

Einen immer wieder aktualisierten Überblick, wann hoffentlich welche Systeme in der nahen Zukunft auf den Markt kommen werden, erhälst Du unter:

https://diatribe.org/search/advanced/AID%20system?f%5B0%5D=im_field_class_device_type_topic%3A99

Dort werden auch die hoffentlich bald erhältliche Systeme:

- BigFoot

- Omnipod Horizon (https://diatribe.org/omnipod-horizon-system-integrate-freestyle-libre-2-g6-and-g7-cgms), welches den Dexcom G 7 und den Freestyle Libre 2 integrieren wird

- die Minimed 780 G

- Tandem Control IQ

- Diabeloop

näher vorgestellt. Ja, aktuell ist die Auswahl bei uns noch übersichtlich, aber die aktuellen Studien, die ja sehr erfolgreiche Daten bezüglich der Nutzung der AID Systeme zeigen, lassen mich hoffe, dass auch wir hier in Deutschland bald eine größere Bandbreite von interoperablen Systeme zur Verfügung haben. Aktuell bleibt nur, noch ein wenig Geduld aufzubringen. Heute stand in unserer Berliner Tageszeitung, dass der Berliner Flughafen wirklich dieses Jahr eröffnet werden soll, auch an dieses technische Wunder hatte kaum ein Berliner noch zu Hoffen gewagt, in diesem Sinne: der technische Fortschritt kommt hoffentlich ganz bald.

Liebe Grüße, bleib gesund, Ulrike

Betreff: Das neue URLi Insulin

Caro Go P. fragt: 

Wann wird das Insulin verfügbar sein und kann es in allen Pumpen zum Einsatz kommen? Ist mit Anpassungen in der Basalrate /Faktoren im Vergleich zu Fiasp zu rechnen oder gibt es eher kaum Unterschiede?

Ulrike Thurm antwortet: 

Liebe Caro,

danke für diese sehr spannende Frage, allerdings gibt es von Eli Lilly diesbezüglich noch kein festes Datum, erwartet wird es Ende diesen/ Anfang nächsten Jahres nach meinem aktuellen Kenntnisstand. Hier einmal eine Wirkkurve dazu:

Diese Kurven lassen sehr stark hoffen, dass URLi wirklich schneller anflutet als alle aktuell auf dem Markt erhältlichen Insuline. Aber natürlich muss der individuelle Nutzen von jedem Menschen mit Diabetes individuell ausgetestet werden. Genauso wie beim Fiasp, dort gab es Einige Anwender, die im Vergleich zum Lispro oder Aspart keine nennenswerte Unterschiede bemerkt haben, Andere hatten sogar über eine schlechtere Wirkung berichtet, wiederum Andere waren total begeistert, weil es bei Ihnen deutlich schneller angeflutet ist als die vergleichbaren Insuline. Ob Du also Unterschiede spürtst im Vergleich zum Fiasp ist wahrscheinlich, aber wie gravierend diese Unterschiede sind, muss man selber austesten. Bei der Nutzung einer Insulinpumpe würde ich da empfehlen, das Basalratenprofil ggf. 30-60 Minuten vor zu ziehen und auf jeden Fall den IE/BE Faktor und den KF Faktor, also die Insulinempfindlichkeit vorsichtshalber anzupassen, um in der Versuchsphase keine Hypoglykämie zu riskieren. Als Beispiel, wenn die aktuell einen Faktor hast von: 1 Einheit für 12 Gramm KH würde ich vorsichtshalber empfehlen das rauf zu setzen auf 1 Einheit für 15 Gramm KH. Ebenso ganz wichtig, die ISF anzupassen, also wenn ! Einheit zu einer bestimmten Uhrzeit den Glukosewert um 40 mg/dl senkt, dann ggf. auf 50 mg/dl raus setzen, Sicherheit und Hypovermeidung ist ja die erste Priorität. Deshalb auch ggf. die Insulinwirkzeit von z.B. aktuell 5 Stunden auf 4 Stunden runter setzen.

Die genannten Werte sind NUR willkürliche Beispiele, es geht nur darum, an welchen "Therapieschrauben" dann ggf. gedreht werden muss und Jede muss Ihre individuellen Erfahrungen austesten. Viel Glück dabei, in der Hoffnung, dass URLi nicht mehr allzu lange aus sich warten lässt und wir Erfahrungen damit machen können.

Ganz liebe Grüße, Ulrike Thurm

Betreff: empfehlenswerte apps zur Fotobestimmung BE/KH/Nährwerte

Sabine S. fragt: 

Sehr geehrte Damen und Herren, können Sie sichere und mgl. kostenlose apps anhand von Fotos zur Bestimmung der Nährwerte/BE/KE empfehlen? Mir ist nur snaq bekannt, aber die app funktioniert nur auf apple-Geräten, nicht auf Android....daher kann ich es auch nicht für Patienten ausprobieren....

Ulrike Thurm antwortet: 

Liebe Sabine,

ja, das ist der Traum, ein Foto von einer Mahlzeit zu machen und dann kommt über eine App die BE und die FPE Menge heraus. Ich fürchte allerdings, dass wir davon noch eine Weile weiter träumen müssen. Die App, die meiner Meinung nach am weisteten entwickelt ist, kommt aus der Schweiz.

Die Informationen, die ich Ihnen dazu mitteilen kann, stammen von der Seite:

https://www.diabetiker.info/die-intelligente-app-die-kohlenhydrate-berechnen-kann-wer-hat-es-erfunden-die-schweizer/

Hinter „GoCARB“ verbirgt sich ein vierjähriges internationales Forschungsprojekt unter der Leitung von Dr.-Ing. Stavroula Mougiakakou vom ARTORG Center for Biomedical Engineering Research der Universität Bern und Prof. Dr. med. Peter Diem von der Universitätspoliklinik für Endokrinologie, Diabetologie und Klinische Ernährung. Das Projekt wurde in enger Zusammenarbeit mit Roche Diagnostics entwickelt und wird von der Europäischen Kommission im 7. Forschungs-Rahmenprogramm finanziert.

„Wir wollen die personalisierte Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus verbessern“, erklärt Stavroula Mougiakakou. „Es gibt zwar bereits Apps, die den Kohlenhydratgehalt einer Mahlzeit einschätzen helfen. Aber dort müssen die Nahrungsmittel manuell erfasst werden oder die Programme bieten keine Berechnung des Essensinulins an.“

Und so funktioniert das Ganze: Der Benutzer muss lediglich ein Referenzobjekt neben die Mahlzeit legen und mit einer Smartphone-Kamera zwei Bilder aufnehmen. Die Lebensmittel werden nun vom Programm segmentiert und erkannt, während ihre Form in 3D rekonstruiert wird. Basierend auf dem 3D-Modell, den Resultaten der Segmentierung und dem Referenzobjekt, wird das Volumen der einzelnen Lebensmittel abgeschätzt. Tests an echten Mahlzeiten ergaben, dass das System sich dabei durchschnittlich um nur ± sechs bis sieben Gramm irrt.

„Wir kommen mit diesem Prototyp dem Bedürfnis von Diabetikerinnen und Diabetikern nach einer effektiveren, automatisierten und präzisen Ermittlung von Kohlenhydraten in Lebensmitteln nach – dies soll ihnen eine bessere Diabetes-Kontrolle erlauben und indirekt eine erhöhte Lebensqualität bringen“, betont Dr.-Ing. Stavroula Mougiakakou abschließend.

Mehr Informationen bietet das Info-Video von GoCARB (in englischer Sprache):    https://www.youtube.com/watch?time_continue=38&v=0XzJEYUGpqI&feature=emb_logo

Alle diesbezüglichen Entwicklungen, wie die von Ihnen angesprochenen App snaq befinden sich noch in der: fortgeschrittenen Entwicklungsphase. Ich denke, dass wir auf eine wirklich funktionierende Variante noch eine Weile warten dürfen. Ansonsten könnte ich, zur BE und FPE Berechnung die App des Team um Dr. Winfried Keuthage: https://diabook.info/    Dieses Team besteht aus einem Diabetologen inkl. sehr fachkompetenten Mitarbeitern/innen, die sowohl über umfassende diabetologische wie ernährungsmedizinische Kompetenz verfügen. Ich empfehle diese App sehr gerne meinen Patienten.

https://play.google.com/store/apps/details?id=de.diabook.info&hl=de

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit diesen Informationen weiter helfen, ganz liebe Grüße und bleiben Sie gesund, Ulrike Thurm

Betreff: Keine Angst vor neuer Technik

Richard fragt: 

Liebe Frau Thurm, macht es Sinn oder ist es zu empfehlen, dass der eigene Diabetologe auch Diabetiker und Pumpenträger ist? Ich hatte mal von einem Freund gehört, dass es total gewinnbringend sei, da das Verständnis mehr da sei und auch die Innovationsbereitschaft für neue Systeme besser, wenn der eigene Diabetologe betroffen ist und selbst neue Technik anwedne... Haben Sie Erfahrungen damit? Danke und Gruß Richard

Ulrike Thurm antwortet: 

Lieber Richard,

ich würde die Empfehlung, ob ein Diabetologe oder eine Diabetesberaterin eine bessere Betreuung anbietet, weil er oder sie selber einen Typ 1 Diabetes hat, nicht generell beantworten wollen. Es gibt wunderbare und engagierte Kolleginnen und Kollegen, die voller Herzblut, mit ganz viel Empathie und herausragendem diabetologischem Wissen Ihre Patienten betreuen und selbst keinen Diabetes haben. Ich würde die Entscheidung, von welchem Diabetesteam Sie sich betreuen lassen wollen, nicht ausschließlich darauf reduzieren. Natürlich kann es von Vorteil sein, wenn der Behandler auch über eigene, praktische Erfahrungen verfügt, aber wenn es dann menschlich zwischen Ihnen und dem Diabetologen nicht passen sollte, würden Sie sich ja dort auch nicht wirklich wohl fühlen.

Es spricht aber absolut nichts dagegen, auch das Diabetesteam zu wechseln, wenn Sie sich von Ihrem nicht gut betreut fühlen sollten. Ich würde Ihnen da raten: Probieren Sie es aus. Lassen Sie sich einen Termin in der Praxis geben, die Ihnen Ihr Freund empfohlen hat und entscheiden Sie dann selbst, ob es für SIE ein Gewinn ist, sich dort in die diabetologische Betreuung zu begeben. Es kann in manchen Punkten helfen, über eigene, praktische Erfahrungen zu verfügen, das muss aber nicht das einzige, entscheidende Kriterium sein, was für Sie eine wirklich gute, kompetente Betreuung ausmacht. Ich denke, am Ende kommt es darauf an, ob die Chemie zwischen Ihnen und Ihrem Diabetesteam stimmt und ob Ihre Diabetesteam die Fachkompetenz, die Betreuungformen (telemedizinische Datenübermittlung, CSII- oder CGM - Gruppenschulungen etc. anbietet, die Sie sich wünschen. Bilden Sie sich Ihre egene Meinung, machen Sie dort einen Termin und testen es selbst aus. Eine zweite Meinung kann nie schaden.

Ganz liebe Grüße und bleiben Sie gesund, Ulrike Thurm

Betreff: Keine Angst vor neuer Technik

Sophia S. fragt: 

Ich habe den Libre 2 und finde den soweit ganz gut. Schon eine feine Technik. ABER: ca. 3 Tage vor Ablauf des Sensors, zeigt er mir viel niedrigere Werte an. Messe ich dann manuell, ist es oft viel höher. Woran kann das liegen? ist die Sensitivität dann schon herabgesetzt? We gefährlich kann das werden? das verunsichert mich immer etwas... LG Sofia

Ulrike Thurm antwortet: 

Liebe Sophia,

eigentlich ist die Sensorleistung beim Freestyle Libre auf die komplette Messzeit von 14 Tagen ausgelegt und getestet. Hier die dazugehörigen Studiendaten des Herstellers:
 
Herstellerangaben FreeStyle Libre 2Laut Herstellerangaben auf der Homepage wiesen 90,3% der Messwerte bei Glukosekonzentrationen unter 80 mg/dl bzw. ≥80 mg/dl eine Abweichung von weniger als ±20. In der Studie von Bailey et al.mit dem bisherigen iscCGM-System wies nur ca. die Hälfte der Sensoren eine MARD auf, die nach den erwähnten Modellberechnungen für eine Festlegung der Insulindosis empfehlenswert ist [4]. Weiterhin war die beobachtete Messgenauigkeit des iscCGM-Systems am ersten Tag der Nutzung, d.h. am Tag des Legens des Sensors, mit mittleren MARD-Werten von ~15% weniger gut als an den folgenden 13 Tagen der Nutzungsdauer mit im Mittel 11%. Diese Ergebnisse in Verbindung mit der Aussage zum Ersatz von SMBG wurden in der Literatur diskutiert [5, 6].Leider werden nicht von allen Herstellern Angaben zu den MARD-Werten am1. Tag angegeben.Bei den rtCGM-Systemen und den iscCGM-Systemen gibt es eine „run-in“-Phase mit teilweise deutlichen Abweichungenzur Blutglukose in der Zeit unmittelbar nach dem Legen des Sensors.Wie viele Studien zeigen,führt dieszueinem höherenMARD am ersten Tag nach dem Setzen,an den Nachfolgetagen ist die MARD üblicherweise besser.


Dieses Zitat stammt von der Seite der AGDT /Arbeitsgemeinschaft Diabetes technologie der DDG), hier der entsprechende Link: https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/fileadmin/Redakteur/Stellu...
Bei den rtCGM oder isCGM Systemen ist in den meisten Fällen (s.o.) die Messgenauigkeit am ersten Tag mit den größten Abweichungen behaftet. Sollte das bei Ihnen dauerhaft der Fall sein, könnten Sie ggf Ihre individuelle MARD ermitteln:

Wie das genau geht, finden Sie in unserer CGM- und Insulinpumpenfibel im Onlineanhang: https://www.kirchheim-shop.de/out/media/Thurm_Gehr_Pumpenfibel_Onlineanh...
Sollte Ihre MARD dauerhaft zu hoch sein, würde ich damit Kontakt zu Abbott aufnehmen und die entsprechenden Sensoren reklamieren, die eine zu starke Messabweichung hatten. Ich kann sehr gut verstehen, dass eine große Messungenauigkeit bei Ihnen zu einer Verunsicherung führt, ob Sie den CGM Werten zur Dosisanpassung vertrauen können. Deshalb hilft es Ihnen vielleicht, besonders in den letzten Tagen der Sensorlaufzeit Ihre individuelle MARD zu ermitteln. Mit dieser Dokumentation hätten Sie dann auch eine gute Diskussionsgrundlage bei Ihren Reklamationsgesprächen mit dem Hersteller. Wenn sich die Messungenauigkeit auch mit anderen Sensorchargen nicht verbessern sollte, wäre ein Wechsel zu einem anderen CGM System wohl der einzige Ausweg.

Ganz liebe Grüße, bleib gesund, Ulrike

Betreff: Keine Angst vor neuer Technik

Rabia Y. fragt: 

Hallo, ich habe großes Interesse an dem Freestyle Libre, kenne bisher aber niemanden, der mir mal die Vor- und Nachteile aufzählen kann. Ich habe auch etwas Respekt vor der Tehnik, da sie ab und an ja auch mal den Dienst versagen könnte... Zumindest habe ich Bedenken, meine Gesundheit voll einer Maschine anzuvertrauen, sag ich mal.... Gibt es spezielle Schulungen an denen ich als Typ 1er teilnehmen kann? ich würde mich gerne mal umfassend damit beschäftigen. Ich wohne in Mainz, falls Ihnen das weiterhilft und Sie mir evtl. vor Ort etwas empfehlen könen oder an wen oder was kann ich mich hier wenden? Vielen Dank und MfG Rabia

Ulrike Thurm antwortet: 

Hallo Rabia,

ja, prinzipiell sollte jede diabetologische Schwerpunktpraxis solche Gruppenschulungen anbieten (Flash oder Spectrum), aber leider nicht zur Zeit, da durch die Corona Pandemie alle Gruppenschulungen untersagt sind. Aber im Internet finden Sie in ganz vielen Foren dazu Erfahrungsberichte und auf der Seite des Herstellers gibt es unzählige Erklärvideos zu diesem System:
https://www.freestylelibre.de/libre/hilfe/erklaervideos.html?gclid=CjwKC...
Ansonsten können Sie sich auch schon mit der Lektüre der CGM- und Insulinpumpenfibel auf das Thema CGM vorbereiten, dort werden alle aktuell auf dem deutschen Markt verfügbaren CGM - Systeme auch herstellerneutral verglichen und gegenüber gestellt:
https://www.kirchheim-shop.de/aerzte/DIABETES/Buecher/CGM-und-Insulinpumpenfibel.html
Lesen Sie sich ein, analog und digital und dann hoffe ich, dass Sie bald an einer Flash oder Spectrum Schulung wieder live und mit anderen Menschen mit Diabetes teilnehmen können. Liebe Grüße und bleiben Sie gesund, Ulrike Thurm
 

Betreff: Keine Angst vor neuer Technik

Michael R. fragt: 

Guten Tag, ich nutze das FreeStyle Libre seit 2,5 Wochen und war mit dem ersten Sensor auch recht zufrieden. Die Ergebnisse mit dem zweiten Sensor, sind allerdings krass. Mehrere Nächte hatte ich angeblich über 5 bis 6 Stunden Blutzuckerwerte von 40 und darunter, das Messgerät verweigerte drei mal die tatsächliche Angabe des Wertes und zeigt mir nur ein "LO". Ich wendete mich an die Hotline, die meinte dass es anfang so sei und es sich geben würde... Weil es sich nicht änderte habe ich diese wieder kontaktiert. Sie baten mich um Verleichswerte über einen Teststreifen. Das würde aber nur mit den Teststreifen von FreeStyle Libre akzeptiert. Dazu wolle er mir einige Streifen zusenden. Was dann auch einige Tage später geschah. Ich habe gemessen: Teststreifen: 145 Sensor: 101 Teststreifen: 152 Sensor: 103 Teststreifen: 118 Sensor: 65 Teststreifen: 130 Sensor: 83 Aussage der Hotline: Die Abweichungen lägen alle im Toleranzbereich. Ich weiß nun wirklich nicht wie meine tatsächlichen werte waren und sind und ich habe Angst, dass mein Diabetologe die Therapie entsprechend falsch anpasst! Ich bin nun sehr verunsichert und kann mich auf das Freestyle Libre nun nicht mehr 100% verlassen. Aber es macht ja auch wenig Sinn, wenn ich immer mit Messtreifen "nachteste" Was soll ich jetzt tun? kennen Sie das Problem? Herzliche Grüße Michael

Ulrike Thurm antwortet: 

Lieber Herr R.,

eigentlich ist die Sensorleistung beim Freestyle Libre auch ohne Kalibrierung für die Therapieanpassung zugelassen. Hier die dazugehörigen Studiendaten des Herstellers:
 
Herstellerangaben FreeStyle Libre 2Laut Herstellerangaben auf der Homepage wiesen 90,3% der Messwerte bei Glukosekonzentrationen unter 80 mg/dl bzw. ≥80 mg/dl eine Abweichung von weniger als ±20. In der Studie von Bailey et al.mit dem bisherigen iscCGM-System wies nur ca. die Hälfte der Sensoren eine MARD auf, die nach den erwähnten Modellberechnungen für eine Festlegung der Insulindosis empfehlenswert ist [4]. Weiterhin war die beobachtete Messgenauigkeit des iscCGM-Systems am ersten Tag der Nutzung, d.h. am Tag des Legens des Sensors, mit mittleren MARD-Werten von ~15% weniger gut als an den folgenden 13 Tagen der Nutzungsdauer mit im Mittel 11%. Diese Ergebnisse in Verbindung mit der Aussage zum Ersatz von SMBG wurden in der Literatur diskutiert [5, 6].Leider werden nicht von allen Herstellern Angaben zu den MARD-Werten am1. Tag angegeben.Bei den rtCGM-Systemen und den iscCGM-Systemen gibt es eine „run-in“-Phase mit teilweise deutlichen Abweichungenzur Blutglukose in der Zeit unmittelbar nach dem Legen des Sensors.Wie viele Studien zeigen,führt dieszueinem höherenMARD am ersten Tag nach dem Setzen,an den Nachfolgetagen ist die MARD üblicherweise besser.

Dieses Zitat stammt von der Seite der AGDT /Arbeitsgemeinschaft Diabetes technologie der DDG), hier der entsprechende Link: https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/fileadmin/Redakteur/Stellu...
Bei den rtCGM oder isCGM Systemen ist in den meisten Fällen (s.o.) die Messgenauigkeit am ersten Tag mit den größten Abweichungen behaftet. Sollte das bei Ihnen dauerhaft der Fall sein, könnten Sie ggf Ihre individuelle MARD ermitteln:

Wie das genau geht, finden Sie in unserer CGM- und Insulinpumpenfibel im Onlineanhang: https://www.kirchheim-shop.de/out/media/Thurm_Gehr_Pumpenfibel_Onlineanh...

Ganz entscheidend für Sie, ob die MARD passt, ist natürlich die aktuelle Tendenz Ihres CGM Systems zur Zeit der Kontrollmessung. Wenn die Glukosetendenz eine fallende sein sollte, und Sie berücksichtigen dabei, dass sich Gewebeglukose und Blutzuckerwerte sowieso um circa 10-15 Minuten unterscheiden, dann können die Werte durchaus noch im Bereich der zulässigen Norm liegen. Sollte Ihre MARD dauerhaft zu hoch sein, würde ich damit Kontakt zu Abbott aufnehmen und die entsprechenden Sensoren reklamieren, die eine zu starke Messabweichung hatten. Ich kann sehr gut verstehen, dass eine große Messungenauigkeit bei Ihnen zu einer Verunsicherung führt, ob Sie den CGM Werten zur Dosisanpassung vertrauen können. Deshalb hilft es Ihnen vielleicht,  Ihre individuelle MARD zu ermitteln. Mit dieser Dokumentation hätten Sie dann auch eine gute Diskussionsgrundlage bei Ihren Reklamationsgesprächen mit dem Hersteller. Wenn sich die Messungenauigkeit auch mit anderen Sensorchargen nicht verbessern sollte, wäre ein Wechsel zu einem anderen CGM System wohl der einzige Ausweg.

Ganz liebe Grüße und bleiben Sie gesund, Ulrike Thurm

Betreff: Keine Angst vor neuer Technik

Helge L. fragt: 

Liebe Frau Thurm, ich habe mich jetzt für eine Insulinpumpe entschieden und möchte gerne eine Schulung dazu machen. Leider sind ja derzeit solche Termine nicht zu bekommen. Was raten Sie mir? Wann kann man damit rechnen, sch wieder ausgiebiger beraten zu lassen? Eine normale Sprechstunde reicht da ja nicht aus, der Arzt hat genug zu tun. Oder an wen kann ich mich wenden? Danke und Gruße Helge

Ulrike Thurm antwortet: 

Lieber Helge Lossemer,

da haben Sie völlig Recht. Für die Umstellung auf eine Insulinpumpe sollten Sie eine mehrtägige stationäre oder ambulante Insulinpumpen Gruppenschulung besuchen. Sollte Ihre Praxis soetwas nicht anbieten, können Sie eine solche Schulung auch in einer stationären Schulungseinrichtung durchführen. Aktuell sind durch die Corona Pandemie allerdings alle Gruppenschulungen untersagt, wann diesbezüglich Lockerungen eintreten, kann ich natürlich nicht sagen. Aber ich würde an Ihrer Stelle mit dem Umstieg auf eine CSII warten, bis Sie wieder an einer solchen mehrtägigen Gruppenschulung teilnehmen können. Sie haben bis jetzt eine ICT sicher und gut für (sicherlich sehr viele Jahre) durchgeführt. Damit Sie Ihre neue Therapieform sicher und gut geschult beginnen, warten Sie dann lieber noch ein paar Tage länger bevor Sie OHNE eine mehrtägige und kompetente Gruppenschulung mit dieser neuen Therapieform beginnen. Sie können die Wartezeit nutzen und sich vorab schon einmal mit der: CGM- und Insulinpumpenfibel einlesen und auf die hoffentlich bald wieder stattfinden könnende Schulungen vorbereiten.
https://www.kirchheim-shop.de/aerzte/DIABETES/Buecher/CGM-und-Insulinpumpenfibel.html
Ganz liebe Grüße, viel Spaß und Erfolg mit Ihrer Insulinpumpenschulung, bleiben Sie gesund und haben Sie noch etwas Geduld, Ulrike Thurm

 

Betreff: Keine Angst vor neuer Technik

Damiel F. fragt: 

Hallo ich bin seit 4 Wochen Diabetiker Typ 1 und spritze Victoza. manchmal ist mir davon etwas übel, aber mein Diabetologe sagte, es kann sich auch legen mit der Zeit. Ich habe gestern das erste Mal gesehen, dass ich Blut im Pen habe nach der Injektion. Ist das normal? kann das mal passieren? Wie kann das kommen? ich bin verunsichert ob ich das überhaupt richtig mache. habe natürlich auch noch keine Diabetesschulung gemacht weil derzeit keine angeboten werden. Ich frage mich, wie da Blut überhaupt reinkommt!? kann ich den Pen überhaupt jetzt weiter verwenden? ich freue mich überIhre Antwort. Viele Grüße Damiel

Ulrike Thurm antwortet: 

Hallo Damiel,

das tut mir sehr leid, dass Sie gerade jetzt einen Typ 1 Diabetes bekommen haben und aktuell keine ambulanten Schulungen stattfinden können. Bis es soweit ist, können Sie sich aktuell selber informieren, da würde ich Ihnen folgendes Buch empfehlen, mit dem Sie die Zeit überbrücken können, bis mit einer richtige Gruppenschulung starten können: https://shop.elsevier.de/gut-leben-mit-typ-1-diabetes-9783437457586.html
Sie sollten auf jeden Fall Ihre Werte bis dahin engmaschig mit Ihrem Diabetesteam besprechen, aktuell bieten viele Praxen telemedizinische Sprechstuunden an.
Das mit dem Blut im Pen könnte daran liegen, dass ggf. Ihre Nadellänge zu lang ist, es gibt Pennadeln, die eine Länge von 4 oder 5 mm Länge haben, also sehr jurz sind, evtl. könnte es Sinn machen, dass Sie auf eine entsprechend kürzere Nadel wechseln. Wenn wirklich Blut im Pen ist, sollten Sie den Pen wechseln und eine neue Patrone einsetzen.
Ganz wichtig ist, dass Sie so schnell es wieder möglich ist, eine Schulung besuchen, wenn es da absehbar keine ambulanten Möglichkeiten geben sollte, könnten Sie eine solche auch in einer spezialisierten Diabetologischen Fachklinik absolvieren. Denn gerade jetzt in der Corona Zeit ist eine gute Diabeteseinstellung extrem wichtig. Diese spezialisierten Fachkliniken bieten auch jetzt stationäre Diabetesschulungen an:
https://www.diabetes-klinik-mergentheim.de/klinik-information/covid-19-corona/
Vielleicht ist das ja eine Option, dass Sie sich sofort schulen lassen und Ihren Diabetes gut einstellen können. Ich würde Ihnen dringend dazu raten, so zeitnah wie möglich eine Schulung zu besuchen, auch wenn diese dann stationär ausfallen sollte. Dann sind sie umfassend geschult und informiert. Rufen Sie z.B. in der oben genannten Klinik (die ist NUR ein Beispiel) an und vereinbaren Sie einen stationären Schulungstermin.
Ganz liebe Grüße, Ulrike Thurm