Bei Winteraktivitäten auf Glukosespiegel und körperliche Belastbarkeit achten

Mit Diabetes trotz Kälte Sport treiben, zur Pistenparty und in den Karnevalstrubel 

Mann und Hund beim Winterspaziergang im Schnee
Berlin, 08.02.2024

Heute frühlingshaft, morgen wieder bitterkalt: Diesen Winter wechseln sich wärmere Regenperioden und Minustemperaturen bei Eis und Schnee ab. Selbst wenn das Thermometer tagsüber deutlich steigt, kann es abends empfindlich kalt werden. Für Menschen mit Diabetes mellitus ist ratsam, bei längeren Aktivitäten im Freien wie im Karnevalstrubel oder im Wintersporturlaub regelmäßig den Glukosespiegel zu kontrollieren und Erfrierungen an den Gliedmaßen sowie Herz-Kreislauf-Komplikationen vorzubeugen. Bei einer diabetischen Neuropathie oder einer Koronaren Herzkrankheit kann es gerade jetzt zu Durchblutungsstörungen und Gefäßkomplikationen kommen. Beim Après-Ski oder im Fasching muss Alkohol nicht grundsätzlich tabu sein, solange auch hier der Stoffwechsel im Blick bleibt. diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe gibt Tipps rund um winterliche Aktivitäten.

Rund ein Drittel aller Menschen mit Diabetes haben Veränderungen an den Nerven: Bei einer diabetischen Neuropathie kann insbesondere die Empfindsamkeit in Händen und Füßen abgeschwächt sein oder sogar ganz fehlen. Dadurch kann es an den Füßen häufig zu Druckstellen, Geschwüren und Verletzungen kommen. In der Winterzeit können Erfrierungen an Füßen und Händen die Folge einer Neuropathie sein: „Ob spazieren gehen, Schneeschuh wandern, Ski fahren, am Karnevalsumzug teilnehmen – Bewegung an der frischen Luft ist auch im Winter gesund und fördert die Durchblutung“, sagt diabetesDE-Vorstandsmitglied Professor Dr. med. Thomas Haak, Chefarzt am Diabetes Zentrum Mergentheim. Trotzdem dürfe man nicht unterschätzen, dass auch an zunächst wärmeren Wintertagen die Temperaturen gegen Abend schnell wieder fallen können. „Menschen mit Diabetes sollten an ihre Aktivitäten angepasst warme Kleidung wählen. Dicke Socken und Winterstiefel halten die Füße warm, dürfen jedoch nicht drücken“, erklärt Professor Haak. 

Möglichen Unterzuckerungen vorbeugen

Beim Wintersport und im Karnevalstreiben vergeht die Zeit oft wie im Flug, viel körperliche Bewegung senkt den Glukosespiegel. Daher ist wichtig, diesen zwischendurch immer wieder zu kontrollieren, bei insulinbehandeltem Diabetes die Dosis gegebenenfalls anzupassen und kohlenhydratreiche Snacks dabei zu haben. Das beugt einer möglichen Unterzuckerung vor. 

Feiern beim Après-Ski oder im Fasching

Nach dem Wintersport oder dem Karnevalsumzug zu feiern, ist auch mit einer chronischen Stoffwechselerkrankung grundsätzlich möglich. diabetesDE rät Menschen mit Diabetes, ihren Alkoholkonsum so zu begrenzen, dass auch hierbei jederzeit eine selbstständige Glukosespiegelkontrolle durchführbar ist. Als allgemeine Alkoholgrenzwerte empfehlen Expertinnen und Experten für Frauen nicht mehr als 10 Gramm Alkohol täglich. Dies entspricht etwa einem achtel Liter Wein oder einem kleinen Bier. Männer sollten nicht mehr als 20 Gramm Alkohol täglich konsumieren, also einen viertel Liter Wein oder einen halben Liter Bier. 

Vor wärmendem Bad die Wassertemperatur prüfen

Kehrt man nach einem langen Tag auf der Piste oder im Trubel durchgefroren zurück, kann ein Bad die Gliedmaßen wieder aufwärmen. Professor Haak betont: „Vor dem Einstieg in die Wanne ist es wichtig, die Wassertemperatur zu prüfen. Das Badewasser darf nicht zu heiß sein. Sonst drohen bei einer Neuropathie Verbrennungen an Händen und Füßen.“ Da die Haut von Menschen mit Diabetes im Winter häufig trocken und rissig ist, rät er ihnen, sich nach dem Bad gut einzucremen.

Vorsicht bei bestehenden Herzproblemen!

Menschen mit Diabetes leben auch häufiger mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Stoffwechselgesunde. „Bei Kälte ziehen sich die Arterien zusammen, wodurch der Blutdruck steigt. Dies wiederum belastet das Herz“, erläutert Professor Haak. Winterspaziergang ja – schwere Einkäufe tragen oder Schnee räumen sollten Herzpatientinnen und -patienten jedoch vermeiden, sonst kann es im schlimmsten Fall zum Herzinfarkt kommen. „Welche und wie viel körperliche Belastung im Winter zumutbar ist, kann das diabetologische und kardiologische Behandlungsteam individuell einschätzen“, so Professor Haak.