Diabetes: eine Herzensangelegenheit
Zwischen Diabetes mellitus – egal welchen Typs – und Herzschwäche („Herzinsuffizienz“) besteht ein gefährlicher Zusammenhang. Darauf wiesen die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) bereits 2022 in ihrem ersten gemeinsamen Positionspapier hin.
Konkret bedeutet das: Fast jeder dritte Mensch mit Diabetes hat eine Herzinsuffizienz – die wiederum eine schlechte Stoffwechsellage bedeuten kann: Laut Studien liegt bei 30-40 % aller Herzpatient*innen ein Prädiabetes oder ein Typ-2-Diabetes vor. Das Risiko, aufgrund von kardiovaskulären, also Herz-Kreislauf-Vorfällen, zu sterben, ist für Menschen mit Diabetes um 50-90 % erhöht.
Hoher Blutzucker als Gefahr für die Gefäße
Aber warum zählen Herz-Kreislauf-Erkrankungen eigentlich zu den Folgeerkrankungen von Diabetes? Diabetes führt zu „Verkalkungen“ in den Arterien, also Ablagerungen („Plaques“) von Fetten, Cholesterin, Kalk und Bindegewebe an den Innenwänden der Blutgefäße. Diese bleiben lange Zeit symptomlos, können aber zu Durchblutungsstörungen führen – im schlimmsten Fall auch zu komplett verschlossenen Gefäßen. Hohe Blutzuckerwerte schädigen die Gefäße dabei zusätzlich.
Laut Deutscher Herzstiftung beschleunigt ein chronisch hoher Blutzucker unter anderem die Verkalkung und Schädigung von Gefäßen („Arteriosklerose“) und führt zu einer Verschlechterung der Pumpleistung des Herzens sowie zu einer verstärkten Blutgerinnung in den geschädigten Gefäßen. Auch schon leicht erhöhte Blutzuckerwerte ohne Diabetes-Diagnose gelten dabei als riskant. Je nach betroffenem Organ kann das zu unterschiedlichen Krankheitsbildern führen:
- Bluthochdruck („Hypertonie“): Wer Diabetes hat, hat statistisch auch häufiger Bluthochdruck, da durch hohe Blutzuckerwerte geschädigte Gefäße und Nerven den Blutdruck nicht mehr adäquat steuern können. Laut Deutscher Herzstiftung sind Menschen mit Diabetes etwa zweimal so häufig von Bluthochdruck betroffen wie Menschen ohne Diabetes. Ein über längere Zeit erhöhter Blutdruck (über 140/90 mmHg) kann wiederum das Herz, Gefäße, die Augen und Nieren schädigen.
- Herzinsuffizienz: Herzschwäche, unter der viele Menschen mit Typ-1-Diabetes im Alter leiden, zeigt sich durch Atemnot. Weitere mögliche Symptome: unregelmäßiger Puls, Wassereinlagerungen, Atemprobleme und häufige Toilettengänge während der Nacht.
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK)/„Schaufensterkrankheit“: Ist die Durchblutung der Gefäße im Becken sowie in Armen und Beinen durch Verkalkungen verengt oder verschlossen, erhalten die Füße nicht mehr genügend Sauerstoff und Nährstoffe. Die Folge: Schmerzen bei Belastung, manchmal tritt zudem ein diabetisches Fußsyndrom auf. Allerdings spüren Betroffene Anzeichen erst, wenn schon 90 % der Gefäße im Bein verengt sind.
- Koronare Herzkrankheit/Herzinfarkt: Verkalken die Herzkranzgefäße (koronare Blutgefäße), entstehen Engstellen und Verschlüsse – mögliche Folgen: ein plötzlicher Schmerz in der Brust (Angina pectoris), ein Engegefühl oder nach längerer Zeit einer mangelnden Durchblutung des Herzmuskels auch ein Herzinfarkt.
- Schlaganfall: Auch im Gehirn können Verkalkungen zu Durchblutungsstörungen führen. Es kann zu Schwindel oder einem Schlaganfall kommen, wobei über 60 Jahre alte Menschen mit Diabetes besonders gefährdet sind. Erste Anzeichen eines Schlaganfalls: plötzliche Schwäche in den Armen oder Beinen, Gesichtslähmung, Sprach-, Sprech-, Sehstörungen, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder Kopfschmerzen.
Regelmäßige Checkups und Selbstfürsorge
Vorsorge ist daher wichtig: So sollte etwa bei Menschen mit Diabetes der Blutdruck regelmäßig kontrolliert und zudem untersucht werden, ob Erkrankungen und Risikofaktoren für Herz und Gefäße vorliegen. Werden Anzeichen für Durchblutungsstörungen festgestellt, gilt es, die Gesundheit der Gefäße zu verbessern – durch eine optimale Blutzuckereinstellung und die Behandlung von eventuell zu hohen Blutdruck- und Blutfettwerten.
Ein gesunder Lebensstil ist als Vorsorge und auch im Rahmen der Behandlung von Gefäß- und Herzerkrankungen in Verbindung mit einer medikamentösen Therapie entscheidend. Gesundheit sollte man also zur eigenen Herzensangelegenheit machen – etwa durch gute Blutzuckerwerte, normalen Blutdruck, gute Cholesterinwerte, normales Körpergewicht, Nichtrauchen, möglichst Vermeidung von alkoholischen Getränken und tierischen Fetten, ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und ausreichend Schlaf.
Quellen: diabinfo; DDG; Deutsche Herzstiftung
Text: Susanne Löw