Mit Typ-1-Diabetes sicher durch die Schulzeit
Das Thema Schule bereitet vielen Eltern von Kindern mit Diabetes Kopfzerbrechen und wirft viele Fragen auf: Wie gelingt der Schulstart? Welche Unterstützung erhält mein Kind während des Unterrichts? Die gute Nachricht ist, dass Kinder mit Diabetes geistig und motorisch genauso leistungsfähig wie ihre gesunden Mitschüler*innen sind. Mit der richtigen Vorbereitung und Einsatz der modernen Hilfsmittel wie CGM-Systeme und Insulinpumpen steht einer erfolgreichen Schullaufbahn nichts im Weg.
Diabetes ist kein Hindernis in der Schule
Aktuelle Studien aus Skandinavien und Australien belegen, dass Kinder mit Typ-1-Diabetes im Durchschnitt die gleichen Noten und Schulabschlüsse wie Kinder ohne die Autoimmunerkrankung erzielen. Nur kurz vor der Diabetesdiagnose kann es durch hohe Blutzuckerwerte zu einem Leistungstief kommen. Das normalisiert sich jedoch schnell nach Beginn der Insulintherapie.
Inklusion in der Schule
Auch für Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes, Typ-2- Diabetes oder anderen Diabetesformen gilt die Schulpflicht in allen deutschen Bundesländern. Die Diagnose Diabetes steht der Eignung für die Regelschule nicht entgegen und erfordert keine Umschulung an eine Förderschule.
Unterstützung bei der Diabetestherapie in der Schule
Alle Lehrkräfte Ihres Kindes sollten über die Diabetes Erkrankung informiert sein und wissen, was bei einem Notfall zu tun ist. Wir haben Ihnen ein paar hilfreiche Tipps für einen reibungslosen Schulalltag mit Diabetes zusammengefasst:
- Schulung für Lehrer*innen: Fragen Sie in Ihrer Kinderdiabetologie nach einer Schulung für die Lehrkräfte Ihres Kindes. Das nimmt den Lehrer*innen die Unsicherheit im Umgang mit der Erkrankung und der Technik (d.h., AID-Systeme, Alarme). Über diese individuelle Schulung hinaus gibt es in einzelnen Bundesländern spezielle Schulungsprogramme für Lehrkräfte, die auch online angeboten werden. Zudem bietet die Stiftung Dianiño kostenlose Schulungen für Lehrpersonal an. Solche Schulungen ersetzen jedoch nicht die individuelle Abstimmung mit den Eltern und dem Diabetesteam des Kindes für die Behandlung während des Schulalltags.
- Schriftlicher Plan: Hinterlegen Halten Sie schriftlich individuelle Vereinbarungen mit den Lehrer*innen fest:
- Kontrolle von Blutzucker, Nahrungsaufnahme und Insulinabgabe im Unterricht
- Wann ist ein Anruf bei den Eltern nötig?
- Was ist bei Sport zu tun?
- Was ist bei einer (schweren) Unterzuckerung zu tun?
- Wie können die Lehrer*innen das Kind individuell unterstützen?
- Diabetes-Technik im Unterricht: Das Smartphone als Empfänger für Glukosewerte muss im Unterricht erlaubt sein. Klären Sie dies frühzeitig bei einem Gespräch mit den Lehrkräften ab.
- Mitschüler*innen informieren: Es kann von großem Vorteil sein, die Mitschüler*innen Ihres Kindes sachlich und in altersgerechter Sprache über Typ-1-Diabetes aufzuklären. Die Informationen sollten die Unsicherheiten abbauen und für mehr Verständnis von den Klassenkamerad*innen sorgen. Vielleicht mag Ihr Kind auch selbst einen kleinen Vortrag dazu halten?
Wer trägt die Verantwortung für die Diabetestherapie in der Schule?
Viele Lehrer*innen fragen sich, wer die Verantwortung übernimmt, wenn beim Diabetesmanagement etwas schiefgeht. Wichtig zu wissen ist: Lehrkräfte sind nicht verpflichtet, die medizinische Versorgung zu übernehmen, können sich aber freiwillig dazu bereit erklären. Die Verantwortung bleibt aber immer bei den Eltern.
Eine Ausnahme bildet der Notfall: In dieser Situation ist jede Person zur ersten Hilfe verpflichtet, also auch die Lehrkräfte. Eine unterlassene Hilfeleistung kann sogar strafrechtliche Konsequenzen haben. Eine starke Unter- oder Überzuckerung gilt als diabetischer Notfall und erfordert sofortiges Handeln.
Wenn Eltern die medizinische Betreuung ihres Kindes auf die Schule übertragen, sind alle Lehrer*innen (egal ob angestellt oder verbeamtet) im Rahmen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) rechtlich abgesichert. Lehrer*innen gehen also kein Haftungsrisiko ein, wenn sie sich bereit erklären, ein Kind bei seinem Diabetes-Management zu unterstützen.
Selbstständigkeit fördern: Was schafft mein Kind allein?
Die Selbstständigkeit der Kinder mit Diabetes hängt nicht direkt vom Alter, sondern von der individuellen Entwicklung ab:
- Grundschule (1. und 2. Klasse): Ähnlich wie im Kindergarten benötigen Grundschulkinder mit Diabetes in der ersten und zweiten Klasse noch oftmals kontinuierliche Unterstützung in ihrem Diabetesmanagement. In den meisten Fällen können sie noch nicht sinnverstehend lesen, rechnen und komplexe Entscheidungen treffen. Aus diesem Grund brauchen sie Hilfe von Betreuungspersonen bei der Berechnung von Kohlenhydraten und der Interpretation von Blutzuckerwerten.
- Grundschule (3. und 4. Klasse): Ab der dritten Klasse können die meisten Kinder schon komplexere Entscheidungen treffen und oftmals sicher die Technik beherrschen. Dennoch benötigen die Kinder im Normalfall weiterhin Unterstützung bei Therapieentscheidungen wie der Berechnung von Mahlzeiten und körperlicher Aktivität.
- Sekundarstufe: Ältere Kinder und Jugendliche übernehmen zunehmend mehr Verantwortung für ihre Diabetestherapie, so dass sie selbstständig komplexe Therapieentscheidungen treffen können. Dennoch ist die Pubertät eine herausfordernde Phase, in der Eltern als „Coaches“ motivierend zur Seite stehen sollten.
Sicherheit bei Ausflügen und Klassenfahrten
Auch für Kinder und Jugendliche mit Diabetes sind Ausflüge und Klassenfahrten ein wichtiger Teil der Schulzeit. Mit der richtigen Vorbereitung sind diese sicher und unkompliziert:
- Austausch mit Diabetesteam: Besprechen Sie mit dem Diabetesteam, ob und wie die Therapie während des Ausflugs oder der Klassenfahrt angepasst werden muss.
- Vorgespräch mit Lehrer*innen: Organisieren Sie vor der Klassenfahrt ein Gespräch mit den Lehrer*innen, die auf die Klassenfahrt mitkommen, um Abläufe zu besprechen und Fragen zu beantworten. Klären Sie zudem, ob Ihr Kind die Fahrt schon ohne eine Begleitperson bewältigen kann.
- Erreichbarkeit: Sorgen Sie dafür, dass Sie während der gesamten Klassenfahrt erreichbar sind, um bei Therapieanpassungen unterstützen zu können.
- Rolle des Lehrpersonals: Die Aufsichtspersonen sollten stets Traubenzucker sowie die notwendige Notfallausrüstung mitführen. Auch bei Jugendlichen mit guter Therapie-Einstellung ist eine regelmäßige Kontrolle ratsam, um sicherzustellen, dass die Insulingabe zu allen Mahlzeiten korrekt erfolgt ist.
- Begleitperson: Für jüngere Schulkinder ist es ratsam oder sogar erforderlich, dass eine geschulte erwachsene Person, beispielsweise ein Elternteil oder eine Integrationshilfe, die Klassenfahrt begleitet.
Fazit
Die sichere Teilnahme am Schulleben ist für Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes absolut möglich und entscheidend für ihre Entwicklung. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Eltern, Lehrpersonal und dem Diabetesteam ist die Grundlage für den Erfolg. Durch umfassende Aufklärung, die Bereitschaft zur gegenseitigen Unterstützung und das Wissen um rechtliche Rahmenbedingungen können die Herausforderungen des Schulalltags gemeistert werden. So können Kinder und Jugendliche mit Diabetes die Schulzeit genauso unbeschwert und erfolgreich erleben wie ihre Mitschüler*innen.
Quellen
Schulbroschuere_2025_11_digital.pdf