FAQ für Lehrer*innen – Typ-1-Diabetes in der Schule
Sie haben ein Kind mit Typ-1-Diabetes in der Klasse? Das wirft am Anfang viele Fragen auf und das ist völlig normal. Wir möchten Sie in dieser neuen Situation bestmöglich unterstützen. In diesem FAQ haben wir die häufigsten Fragen aus dem Schulalltag gesammelt und praxisnahe Antworten sowie weiterführende Infos für Lehrer und Lehrerinnen zusammengestellt.
Was ist Typ-1-Diabetes überhaupt?
Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, bei der der Körper kein Insulin mehr produziert. Das Hormon Insulin ist jedoch lebensnotwendig, um den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Kinder und Jugendliche mit Typ 1 müssen daher mehrmals täglich ihren Blutzucker überprüfen und bei Bedarf Insulin spritzen oder über eine Insulinpumpe zuführen.
Wie wird Typ-1-Diabetes behandelt?
Die Zeiten ständiger blutiger Messungen sind vorbei. Die meisten Kinder tragen heute CGMs (Continuous Glucose Monitoring-Systeme mit Sensoren am Arm/Bauch), die den Glukosewert direkt auf ein Lesegerät oder Smartphone übertragen. Aktuelle AID-Systeme (automatisierte Insulin-Dosierung) regeln vieles von selbst, sodass therapeutische Eingriffe während des Unterrichts zur Ausnahme werden. Eltern können Werte oft aus der Ferne einsehen. Besprechen Sie vorab, in welchen dringenden Ausnahmefällen ein Anruf der Eltern im Unterricht erlaubt ist. Das Ziel ist: so viel Normalität wie möglich.
Welchen Einfluss hat Diabetes auf den Schulalltag?
Dank der modernen Diabetestechnologie ist Typ-1-Diabetes kein Hindernis mehr für eine erfolgreiche Schullaufbahn. In der Regel nehmen die Kinder ganz normal am Unterricht, am Sport und an Ausflügen und Klassenfahrten teil. Das Wichtigste ist ein offener und kontinuierlicher Austausch mit den Eltern des betroffenen Kindes. Wir empfehlen Lehrer*innen, ein frühzeitiges Kennenlerngespräch mit den Eltern zu organisieren, um individuelle Absprachen zu treffen.
Wichtig zu wissen: Kinder und Jugendliche mit Diabetes müssen mehrfach am Tag ihren Blutzucker kontrollieren. Da die meisten jungen Betroffenen ein CGM-System verwenden, welches die Blutzuckerwerte auf das Smartphone überträgt, sollte das Kind jederzeit Zugang dazu haben. Zudem sollte ein Kind mit Diabetes bei Bedarf (z.B. bei einer drohenden Unterzuckerung) im Unterricht essen oder trinken dürfen, ohne dass dies als Sonderbehandlung wahrgenommen wird.
Wie werde ich über Diabetes geschult?
Wenn Sie mehr über die Diabetes-Therapie erfahren möchten, ist es in der Regel möglich, eine Schulung zu organisieren. Diese erfolgt individuell auf das betroffene Kind zugeschnitten. Die Schulungsinhalte werden spezifisch an das Alter, die Reife und die Eigenständigkeit des Kindes angepasst. Bei jüngeren Kindern, die noch regelmäßig Hilfe benötigen, sollten die Eltern das Lehrpersonal frühzeitig informieren und eine Schulung für alle Lehrer*innen ihres Kindes anbieten. Die Schulung kann von einem/einer erfahrenen Diabetesberater*in der behandelnden Kinderdiabetologie zusammen mit den Eltern durchgeführt werden. Bei der Schulung sollten Sie alle Fragen mit den Eltern und/oder dem/der Diabetesberater*in klären können.
Über diese individuelle Schulung hinaus gibt es in einzelnen Bundesländern Initiativen zu einer strukturierten Schulung für Lehrkräfte, die derzeit auch online angeboten wird. Diese Schulung ersetzt jedoch nicht die individuellen Absprachen mit den Eltern des betroffenen Kindes.
Wie viel Unterstützung benötigt ein Kind mit Typ-1-Diabetes von einer Lehrkraft?
Das hängt stark vom Alter und der Eigenständigkeit des Kindes ab. Während Jugendliche oft vollkommen selbstständig agieren, benötigen Grundschulkinder noch Aufsicht bei der Insulinabgabe und/oder Kohlenhydratberechnung. Geschulte Erwachsene sollten bei jüngeren Kindern unbedingt die Insulinabgabe zu den Mahlzeiten beaufsichtigen, damit sichergestellt werden kann, dass die richtige Insulindosis gewählt oder die richtige Kohlenhydratmenge eingegeben wurde.
Tipps von Diabetes-Expert*innen:
- Ein schriftlicher Therapieplan, der mit den Eltern abgestimmt ist, hilft Ihnen, im Alltag den Überblick zu behalten.
- Nutzen Sie das Angebot einer Diabetesschulung. Erfahrene Diabetesberater*innen kommen oft direkt in die Schule, um das Team kurz und praxisnah einzuweisen.
Wer trägt die Verantwortung für die Versorgung des Kindes?
Wenn Sie freiwillig ein Kind mit Diabetes bei der Medikamentengabe unterstützen, sind Sie über die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) rechtlich abgesichert. Bei sachgerechter Unterstützung im Rahmen der Absprachen gehen Sie kein persönliches Risiko ein. Mehr zu diesen rechtlichen Grundlagen finden Sie in der Broschüre der DGUV.
Ich bin schon völlig überlastet: Wie soll ich mich zusätzlich um ein Kind mit Diabetes kümmern?
Für den Fall, dass Sie die Diabetes-Betreuung des Kindes nicht übernehmen können, gibt es die Möglichkeit, eine Begleitperson für das betroffene Kind bei der Krankenkasse oder beim Sozialamt zu beantragen. Um die Beantragung kümmern sich die Eltern oder Erziehungsberechtigten. Die Begleitperson beaufsichtigt und unterstützt das betroffene Kind bei seiner Therapie, meistens über den gesamten Schultag hinweg. Der Umfang der Unterstützung ist aber je nach Bundesland stark unterschiedlich.
Kann ein Kind mit Typ-1-Diabetes am Sportunterricht teilnehmen?
Bewegung kann den Blutzucker senken. Kinder und Jugendliche mit Diabetes können und sollen ohne Einschränkungen am Sport teilnehmen. Sie müssen aber vorher ihren Blutzuckerwert kontrollieren und wenn nötig vorher oder auch während des Sports etwas zusätzlich essen, um eine Unterzuckerung zu vermeiden. Alternativ kann die Insulindosis vor dem geplanten Sport reduziert werden. Sie sollten sich genau mit den Eltern abstimmen, was bei dem betroffenen Kind vor jeder Sportstunde zu beachten ist.
Während der Sportstunde und auch beim Schwimmunterricht müssen schnellwirkende Kohlenhydrate wie Traubenzucker oder Saft, das Gerät mit den Blutzuckerwerten und wenn vorhanden das Notfallmedikament Glukagon als Nasenspray griffbereit sein, um dem Kind bei einer Unterzuckerung schnell helfen zu können Ein Kind mit Diabetes kann am Sportunterricht teilnehmen, solange es keine zu niedrigen oder viel zu hohen Blutzuckerwerte mit Unwohlsein hat.
Was ist bei Klassenfahrten zu beachten?
Mit guter Vorbereitung sind auch mehrtägige Fahrten sicher möglich. Bei jüngeren Kindern kann hierfür eine Begleitperson (Eingliederungshilfe) beantragt werden, um Sie als Lehrkraft zu entlasten.
Vor der Klassenfahrt ist es ratsam, ein Gespräch zwischen Lehrer*innen und Eltern zu organisieren, um zu besprechen, was während der Klassenfahrt zu beachten ist. Während der Fahrt sollten die Aufsichtspersonen stets Traubenzucker und andere wichtige Utensilien für Notfälle dabeihaben. Selbst auf Jugendliche, die sich gut mit ihrer Diabetestherapie auskennen, sollte ab und zu ein Auge geworfen und überprüft werden, ob auch für alle Mahlzeiten Insulin abgegeben wurde, da in der Pubertät oftmals etwas lässiger mit dem Diabetes umgegangen wird.
Was kann ich im Notfall unternehmen?
Schwere Notfälle sind heute dank moderner Diabetestechnologien extrem selten geworden. So haben die meisten Kinder mit Diabetes während ihrer Schulzeit nie eine schwere Unterzuckerung, d. h. Bewusstlosigkeit in Folge viel zu niedriger Blutzuckerwerte, erlebt. Deutlich zu hohe Glukosewerte führen hingegen erst langsam, wenn Insulingaben mehrfach vergessen oder nicht gegeben wurden, zum Notfall einer so genannten diabetischen Ketoazidose (DKA).
Bei einer schweren Unterzuckerung, wie bei jedem medizinischen Notfall, ist jeder Mensch zur ersten Hilfe verpflichtet. Sie sollten deshalb wissen, was Sie sofort tun müssen, wenn es bei einem Kind mit Diabetes zu einer schweren Unterzuckerung kommt und es nicht mehr ansprechbar ist:
- Stabile Seitenlage (wie nach einem Unfall).
- Bei Bewusstlosigkeit keine feste oder flüssige Nahrung einflößen (Gefahr durch Verschlucken).
- Notarzt rufen (112)! Diagnose: Diabetes; Anlass: schwere Unterzuckerung
- Ruhe bewahren und beim Kind bleiben. Der Notarzt kann dem Kind sicher und schnell helfen.
- Wenn vorhanden, Notfall-Nasenspray (Glukagon) oder Notfall-Pen (Glukagon) einsetzen.
Auch bei einer schweren Überzuckerung mit Anzeichen einer beginnenden diabetischen Ketoazidose ist jeder Mensch zur ersten Hilfe verpflichtet. Die folgenden Maßnahmen sollten Sie ergreifen:
- Ist die/der Schüler*in noch ansprechbar, überprüfen Sie den Blutzuckerwert anhand eines Messgeräts und führen Sie wie nach Absprache mit Eltern und/oder Diabetesteam des Kindes eine Insulindosis zu. Kontrollieren Sie danach den Blutzuckerwert und den allgemeinen Gesundheitszustand regelmäßig.
- Wenn vorhanden, führen Sie einen Test auf Ketone durch.
- Bei Schläfrigkeit oder Bewusstlosigkeit sollten Sie den Notarzt rufen (112). Diagnose: Diabetes; Anlass: schwere Überzuckerung, Anzeichen auf eine diabetische Ketoazidose
- Es ist wichtig, dass die/der Schüler*in viel Wasser trinkt.
- Und lassen Sie die/der Schüler*in auf keinen Fall allein.
Gibt es Infomaterial zu Diabetes für Schulklassen?
Sie möchten das Thema Diabetes in der Klasse thematisieren? Das nimmt oft Berührungsängste und fördert das Verständnis der Mitschüler*innen. Hier finden Sie Unterrichtsmaterialien zum Thema „Diabetes“:
- Unterrichtsmaterialien von Diabinfo: Ideal, um auch die Mitschüler*innen über das Thema aufzuklären und Verständnis zu schaffen.
- Broschüre „Informationen für Lehrer*innen in Schulen“: Erstellt von der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische und adoleszente Endokrinologie und Diabetologie (DGPAED).
Weitere Infos zu Schule und Diabetes finden Sie in der Broschüre "Informationen für Lehrer*innen in Schulen", die sie unten ganz einfach herunterladen können. Diese wurde von der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische und adoleszente Endokrinologie und Diabetologie (DGPAED) erstellt.
Quellen
Schulbroschuere_2025_11_digital.pdf