Demenz: Erhöhtes Risiko durch Diabetes

ein älterer Mann schaut verwirrt auf einen Wandkalender
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Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens an Demenz zu erkranken, ist für Menschen mit Diabetes mellitus höher als für gleichaltrige Menschen ohne Diabetes. Darauf wiesen die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Hirnstiftung in einer Studie hin, die im November 2024 veröffentlicht wurde: 8.000 der 400.000 neuen Demenz-Fälle pro Jahr gehen demnach auf das Konto von Diabetes, 2 % aller Demenz-Fälle können somit auf Diabetes zurückgeführt werden. Laut einer Studie aus Großbritannien aus dem Jahr 2021 ist die Wahrscheinlichkeit, später eine Demenz zu entwickeln, zudem umso größer, je früher man an einem Typ-2-Diabetes erkrankt.

Im September 2025 veröffentlichte außerdem eine Forschergruppe eine Studie, nach der auch Menschen mit Typ-1-Diabetes häufiger an Demenz erkrankten: Von 43.400 untersuchten Personen mit Typ-1-Diabetes erkrankten im Beobachtungszeitraum rund 1,2 % an Demenz, im Vergleich zu 0,9% der beobachteten 217.000 stoffwechselgesunden Menschen.  

Gründe für die Korrelation

Der Zusammenhang zwischen Diabetes und Demenz beruht auf mehreren Faktoren: Zum einen können dauerhaft erhöhte Blutzuckerwert sowie schwere Unterzuckerungen das Gehirn schädigen – laut Studiendaten verdoppeln drei und mehr schwere Unterzuckerungen das Risiko für eine spätere Demenz. Außerdem begünstigt Diabetes Arterienverkalkung und Durchblutungsstörungen, was auch für das Gehirn gilt. Erhöhte Blutzuckerwerte können zudem Entzündungsprozesse fördern, die auch das Gehirn langfristig belasten können. Schließlich scheint die Insulinresistenz der Körperzellen für die Korrelation zwischen Diabetes und Alzheimer-Demenz mitverantwortlich zu sein. Ein Teufelskreis, denn eine Demenz erschwert wiederum das tägliche Diabetes-Management.

Neben erhöhten Blutzucker-, Blutdruck- und Blutfettwerten wirken sich auch Rauchen, Bewegungsmangel, Übergewicht und eine Depression auf das erhöhte Demenz-Risiko bei Diabetes aus. Mangelnde Bewegung gilt dabei als einer der wichtigsten Treiber für eine spätere Demenz – ob mit oder ohne Diabetes.

Was ist Demenz?

Demenz gilt als Sammelbegriff für rund 50 verschiedene Erkrankungen des Gehirns respektive geistige Beeinträchtigungen. Gemein ist ihnen der Verlust der geistigen Fähigkeiten. Die Merk- und Erinnerungsfähigkeit ist bei Menschen mit Demenz stark eingeschränkt, vor allem das Kurzzeitgedächtnis. Schreitet die Demenz fort, vergessen betroffene Personen oft das aktuelle Datum, zudem können Verwirrung und Wesensveränderungen auftreten.

Die häufigsten Formen sind die Alzheimer- und die vaskuläre Demenz. Während die Alzheimer-Demenz – die häufigste Form – vor allem mit Eiweißablagerungen und Veränderungen in den Nervenzellen in Verbindung gebracht wird, verursachen Durchblutungsstörungen im Gehirn die vaskuläre Demenz. Diese Form der Demenz tritt vor allem bei Menschen mit Typ-2-Diabetes auf.

Diabetesprävention ist Demenzprävention

Mit einer gesunden Lebensweise, ausgewogener Ernährung und ausreichend Bewegung bei einem aktiven Alltag kann man den Krankheitsbildern vorbeugen. Für eine gute Gesundheit des Gehirns sorgen des Weiteren ein normnah eingestellter Blutzucker, das Vermeiden schwerer Unterzuckerungen, die regelmäßige Kontrolle der Blutdruck- und Blutfettwerte, eine starke Psyche und das Annehmen von Hilfe bei Stress, Sorgen oder depressiven Stimmungen. Um geistig aktiv zu bleiben, können Lesen, Spielen, das Erlernen von neuen Fähigkeiten sowie soziale Kontakte helfen.

Prof. Dr. Peter Berlit, Generalsekretär der DGN, sagt: „Wer mit Ernährungsumstellung und viel Bewegung seinen Lebensstil gesundheitsbewusst gestaltet, um Diabetes zu vermeiden, beugt gleichzeitig anderen Erkrankungen und Faktoren vor, die eine Demenz begünstigen, wie zum Beispiel Übergewicht, hohe Blutfettwerte oder Bluthochdruck.“ Neben der Wirkung auf den Zuckerstoffwechsel könnten Medikamente, die kein eigenes Hypoglykämierisiko haben und positive Effekte auf Gefäßerkrankungen gezeigt haben, möglicherweise auch Einschränkungen der Gedächtnisleistung verlangsamen. Die Forschung ist hierzu allerdings noch nicht abgeschlossen.

Kognitive Tests bei Verdacht

Wer bei sich oder einem Angehörigen beginnende, geistige Einschränkungen vermutet, kann im ersten Schritt in der hausärztlichen Praxis einfache kognitive Tests durchführen lassen. Weiterführende Untersuchungen werden zum Beispiel an Kliniken mit Gedächtnisambulanzen oder Gedächtnissprechstunden durchgeführt. Die Alzheimer-Forschung-Initiative bietet eine Datenbank zur Suche von Gedächtnisambulanzen an. 

Quellen: diabinfo, DZNE, DGN

Text: Susanne Löw