Regelmäßige Bewegung senkt das Sterberisiko
Sport und Bewegung sind gesund für Stoffwechsel und das gesamte Herz-Kreislauf-System – das ist nichts Neues. Auch dass damit Übergewicht und Typ-2-Diabetes vorgebeugt werden kann, ist lange bekannt. Neuer ist allerdings die konkrete Erkenntnis der Forschergruppe um David Martinez-Gomez, Mengyun Luo und Yu Huang: Wer die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die wöchentliche Aktivität erreicht, hat demnach ein 14 % niedrigeres Sterberisiko als inaktive Personen. Das gilt für alle Altersgruppen – und der positive Effekt ist bei älteren Personen laut den Forschenden sogar noch stärker. Wie kamen die Forschenden zu dem Ergebnis? Sie werteten von Juni 2022 bis September 2024 Daten aus vier multinationalen Beobachtungsstudien aus. Dafür flossen Daten von über zwei Millionen Erwachsenen im Alter von 20 bis 97 Jahren ein. Als Maß für die körperliche Aktivität diente die Freizeitbewegung, die die Teilnehmenden berichteten.
14 % bis 22 % geringeres Sterberisiko
Die WHO empfiehlt mindestens 150 Minuten respektive 2,5 Stunden „mäßig intensive körperliche“, also moderate Aktivität in der Woche. Das entspricht zum Beispiel einer halben Stunde zügigem Gehen an fünf Tagen. Klingt überschaubar, doch viele Menschen weltweit schaffen diese Empfehlung nicht. Die Ergebnisse der Analyse könnten motivieren. Denn wer die Bewegungsempfehlung erreicht, hat demnach ein 14 % niedrigeres Sterberisiko als inaktive Personen. Doppelt so viel Bewegung – also fünf Stunden pro Woche – senkt das Risiko sogar um 22 %, so die Studie.
Eine weitere Erkenntnis: Ältere Personen profitieren am meisten von sehr hoher Aktivität. Die stärkste Risikoreduktion zeigte sich bei etwa zehn bis 12,5 Stunden Bewegung pro Woche. Und auch die Auswirkung von Risikofaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum, Körpergewicht, Bluthochdruck, Diabetes mellitus und das Bildungsniveau auf das Sterberisiko hängt demnach vom Alter ab: Ihr Einfluss nahm mit dem Alter ab – im Gegensatz zum Faktor Bewegung: Dessen schützender Effekt blieb über die Lebensjahre hinweg erhalten.
Moderate Bewegung statt Leistungssport
Das Fazit der Forschenden sollte Jung wie Alt motivieren: Bewegung zahlt sich aus – in Lebensjahren. Und die Analyse zeigt: Es muss kein Leistungssport sein, schon Alltagsaktivitäten zahlen positiv auf die Gesundheit ein. Die Forschenden weisen allerdings darauf hin, dass es sich um Ergebnisse von Beobachtungsstudien handelt, die einige Ungenauigkeiten mit sich bringen können. Weitere Studien seien daher für Belege der genauen Zusammenhänge nötig.
150 Minuten moderate Aktivität pro Woche könnten zum Beispiel wie folgt aussehen:
- Montag 30 Minuten zügiger Spaziergang am Morgen
- Dienstag 30 Minuten Fahrradfahren
- Mittwoch 30 Minuten Hausarbeit
- Donnerstag 30 Minuten zügiger Spaziergang am Abend
- Freitag Erholung
- Samstag 30 Minuten Nordic Walking mit Freunden
- Sonntag Erholung
Quellen:
Martinez-Gomez et al. Physical Activity and All-Cause Mortality by Age in 4 Multinational Megacohorts. JAMA Network Open 2024, doi: 10.1001/jamanetworkopen.2024.46802
DiabInfo: https://www.diabinfo.de/nachrichten/article/wie-beeinflusst-bewegung-das-sterberisiko.html.
Text: Susanne Löw