Grenzenlos versorgt? Wie das IDF Youth Leadership Lab meine Perspektive auf Diabetesversorgung in Europa verändert hat

4 Personen vor historischen Säulen in Evora, Portugal
© Luisa Pelz

Vom 05. Juli bis zum 11. Juli 2026 hatte ich die Chance, an der 15. Edition des IDF Europe Youth Leadership Lab (YLL) teilzunehmen. Insgesamt haben 20 „Diabetes-Advocates“ mit verschiedenen Diabetestypen zwischen 18 und 30 Jahren aus 19 europäischen Ländern teilgenommen. Von Island bis Kasachstan war alles dabei!

Die Woche bestand aus vielen Workshops zu Themen wie KI im Projektmanagement, Advocacy auf nationaler und europäischer Ebene, der Zusammenarbeit zwischen medizinischem Fachpersonal, Politiker*innen, Diabetes-Advocates und den Medien. Zudem hatten wir ein tägliches Sport- und Bewegungsprogramm. Ein weiterer essenzieller Teil des Youth Leadership Labs waren die Präsentationen von jedem Teilnehmenden, in denen es um die persönliche Erfahrung mit Diabetes und die Diabetesversorgung in unseren Heimatländern ging.

Somit lernte ich, dass die Versorgung in Frankreich noch fortgeschrittener und erschwinglicher als in Deutschland ist. Pumpen, CGMs, AID-Systeme, Insulin und Co. werden in Frankreich zu 100 % von der staatlichen Krankenkasse im Rahmen des Systems für Langzeiterkrankungen (ALD) übernommen. Dementsprechend tragen Menschen mit Typ-1-Diabetes in Frankreich keine zusätzlichen Kosten für ihre Medikamente und haben eine ähnliche Auswahl an CGMs und Pumpen wie wir in Deutschland.

Im Vergleich dazu ist die Diabetesversorgung in anderen Ländern wie Serbien, Ungarn, Malta und Albanien noch weit hinten dran. In Serbien haben zum Beispiel nur Kinder und Jugendliche (unter 18 Jahren), Schwangere, junge Frauen, die eine Schwangerschaft planen, oder Erwachsene, die eine Tendenz zu schweren Unterzuckerungen haben, einen Anspruch auf CGMs und Pumpen. Alle anderen Erwachsenen* müssen ihre CGMs und Pumpen selbst bezahlen. Allein das Insulin wird von der staatlichen Krankenkasse übernommen.

Junge Frau an einem Pult, hält eine Präsentation
© IDF Europe

In Ungarn ist der Zugang zu CGMs und Pumpen etwas leichter als in Serbien. Die Kosten werden dort zum Großteil von der staatlichen Krankenkasse übernommen. Menschen mit Typ-1-Diabetes müssen sich jedoch mit einem anderen wiederkehrenden Problem auseinandersetzen, nämlich dem Zugang zu Insulin. Die Teilnehmerin aus Ungarn berichtete, dass sie schon öfters in andere Städte im Umkreis fahren musste, um an ihr Insulin zu kommen, und das, obwohl sie in einer größeren Stadt mit mehr als 200.000 Einwohner*innen wohnt. 

Noch schwieriger ist die Situation in Malta und Albanien, wo immer noch kein Zugang zu Pumpen und AID-Systemen besteht. In Malta haben Menschen mit Typ-1-Diabetes immerhin schon einen Anspruch auf CGMs. In Albanien ist es noch nicht so weit. Eine Teilnehmerin aus Albanien erzählte, dass sie ihre CGMs immer in Deutschland zu Verwandtschaft in Sachsen bestellt und diese dann per Flugzeug abholt. Die Kosten trägt sie komplett allein. Nur das Insulin erhält sie kostenlos vom Staat. Selbst Blutzuckermessgeräte und Teststreifen werden ab dem Alter von 25 Jahren nicht mehr von der staatlichen Krankenkasse übernommen. Das zu hören, hat mich sehr getroffen, da ich vor zwei Jahren in Albanien im Urlaub war. Zu dem Zeitpunkt habe ich natürlich nicht hinterfragt, wie es wäre, wenn ich in Albanien leben würde und dort auf die Diabetesversorgung angewiesen wäre. 

Das YLL hat mir in vieler Hinsicht die Augen geöffnet. Mir wurde zum einen deutlich wie privilegiert ich mit Typ-1-Diabetes aufgewachsen bin. Zwar bestehen auch in Deutschland Herausforderungen wie bürokratische Hürden, Zuzahlungen oder der Mangel an psychotherapeutischer Begleitung, doch Existenzängste bezüglich der Grundversorgung habe ich noch nie verspürt. Da die Gesundheitssysteme in Europa sehr unterschiedlich organisiert sind, wird es wahrscheinlich nie einen einheitlichen Versorgungsplan geben. Umso wichtiger empfinde ich es, das Bewusstsein für diese Ungleichheiten zu schärfen und sich dafür einzusetzen, dass alle Betroffenen in Europa Zugang zu moderner Diabetestherapie erhalten – unabhängig von Herkunft, Einkommen oder Wohnort.

*Mit ein paar Ausnahmen

von Luisa Pelz, IDF YOURAH Member