Kindergartenalltag mit Diabetes meistern: Tipps für Eltern

Eine Erzieherin mit einem Mädchen am puzzeln
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Der Kindergarten oder die Kita gehören zum Aufwachsen eines Kindes dazu, ob mit oder ohne Typ-1-Diabetes. Die Kinder lernen dort viele Dinge, die für ihr weiteres Leben von großer Bedeutung sein werden. Deshalb hat in Deutschland jedes Kind das Recht auf einen Platz in einem Kindergarten oder einer Kita. 

Viele Kinder mit Typ-1-Diabetes besuchen den Kindergarten wie alle anderen Kinder in ihrem Alter. Sie können an fast allen Aktivitäten wie ihre gleichaltrigen Freund*innen teilnehmen. Da viele Kitas und Kindergarten bereits auf ausgewogenes und gesundes Essen achten, können Kinder mit Typ-1-Diabetes dort auch ganz normal an allen Mahlzeiten teilnehmen. So vermeiden die Kinder eine Sonderrolle. Sie lernen von Anfang an, dass sie trotz ihres Diabetes einfach Kind sein dürfen, genau wie alle anderen auch. 

Heute sind fast alle jüngeren Kinder mit Diabetes mit einem CGM-System und einer Insulinpumpe ausgestattet. Diese neue Diabetes-Technik ermöglicht den Betroffenen, ihren Glukosewert schnell und ohne extra Blutzuckermessung zu überprüfen. Zusätzlich nutzen viele Kinder ein AID-System (Automatische Insulin-Dosierung), welches nur noch wenige Eingaben erfordert, um die notwendige Insulinmenge abzugeben. Trotz dieser technischen Unterstützung sind Kleinkinder und auch ältere Kindergartenkinder noch vollständig auf die Hilfe eines Elternteils oder geschulten Erwachsenen angewiesen. 

Als Eltern sollten Sie wissen, dass die Diabetes-Betreuung nicht zu den regulären Aufgaben der Erzieher*innen und anderen Betreuer*innen gehört. Deren Mithilfe im alltäglichen Diabetes-Management ist freiwillig. Viele Erzieher*innen sind jedoch sehr engagiert und übernehmen gerne die zusätzliche Diabetes-Betreuung. In diesem Fall sind die Eltern weiterhin medizinisch für die Therapie verantwortlich und bei einem Versehen sind die Erzieher*innen durch die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung abgesichert. Falls die Erzieher*innen sich weigern, die Diabetes-Therapie während des Kindergartenalltags zu übernehmen, sind sie dennoch verpflichtet, für den Notfall zu wissen, wie sie reagieren müssen. Eine Schulung für das Betreuerteam ist deshalb unerlässlich. 

Wie bereite ich den Kindergarten auf mein Kind mit Typ-1-Diabetes vor? 

Eine gute Kommunikation zwischen Eltern und Betreuungspersonal ist für die optimale Diabetes-Betreuung im Kindergarten oder Kita entscheidend. Die folgenden Maßnahmen können Ihnen dabei helfen, den Kindergartenalltag für Ihr Kind sicherer zu gestalten:

  • Realistisches Bild von möglichen Risiken machen: Akute Notfälle bei Typ-1-Diabetes sind heute im Kindergartenalltag dank moderner Technologie eine extreme Seltenheit. Vermitteln Sie dem Betreuerteam aktiv diese Sicherheit und überlegen Sie im Voraus, wie Sie die Follower-Funktion des CGM-Systems nutzen wollen. Ständige Kontrollanrufe signalisieren Misstrauen und führen oft zur Überforderung der Erzieher*innen. Ein gelassener Umgang mit Blutzuckerwerten fördert die Inklusion Ihres Kindes. 
  • Gute und nützliche Information: Sprechen Sie ausführlich über die Diabetes-Erkrankung mit allen Erzieher*innen und Betreuer*innen der Kita oder des Kindergartens und stellen Sie geeignetes Informationsmaterial wie zum Beispiel die Kindergartenbroschüre der DGPAED (siehe unten) zur Verfügung. 
  • Technik praktisch üben: Zeigen Sie dem Team, wie die Insulinpumpe und das CGM-System bedient werden und wie z. B. auf Alarme reagiert werden sollte. 
  • Notfall-Management: Es ist essenziell, dass alle Erzieher*innen und Betreuer*innen darüber informiert sind, was sie bei Diabetes-Notfällen zu tun haben. 
  • Kontaktinformationen: Stellen Sie dem Kindergarten-Team Ihre Handy-Nummer und die Nummer des behandelnden Diabetesteams zur Verfügung, um für Fragen schnell erreichbar zu sein. Günstig ist es, wenn Ihr*e Diabetesberater*in das Team der Krippe, Kita oder des Kindergartens geschult hat und dort gut bekannt ist. 
  • Schulungen für Betreuungsteam: Fragen Sie Ihr Diabetes-Team nach speziellen Schulungen für Erzieher*innen. Organisationen wie die Stiftung Dianiño bieten ebenfalls kostenlose Schulungen an.
  • Umgang mit Ablehnung einer Kindereinrichtung: Wenn eine Kindereinrichtung sehr unsicher ist oder Ihr Kind wegen seines Diabetes sogar ablehnt, sprechen Sie zunächst mit Ihrem Diabetesteam. Den erfahrenen Diabetesberater*innen gelingt es oft, die Zweifel der Betreuer*innen aufzulösen und dem Team die Sorgen zu nehmen. 

Welche Unterstützung gibt es für die Diabetes-Betreuung? 

Einige Kindereinrichtungen wünschen, dass das Kind mit Diabetes von einer qualifizierten Person begleitet wird. Jedes Kind mit Typ-1-Diabetes im Kindergarten- und Grundschulalter (einschließlich 4. Klasse) hat den Anspruch auf eine solche Unterstützung im Alltag. Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten, die je nach Bundesland und individueller Situation infrage kommen:

  • Kindergartenbegleitung (als Eingliederungs- oder Integrationshilfe gemäß §§ 112, 113 Abs. 2 Nr. 2 SGB IX): Hierbei handelt es sich um die individuelle Betreuung eines Kindes während der Zeit in einer Kindereinrichtung. Auch die Kindergartenbegleiter*innen müssen zuvor von den Eltern zum Diabetes ihres Kindes geschult werden, da sich nicht alle mit den modernen Diabetestechnologien auskennen. Je nach Bundesland können die Kosten für diese individuelle Eingliederungshilfe durch die Krankenkasse, das Sozialamt oder die Eingliederungshilfe übernommen werden. Aktuelle Urteile der Sozialgerichte deuten darauf hin, dass eine Begleitperson für ein Kind mit Diabetes eine Leistung der häuslichen Krankenpflege nach §37 Abs. 2 SGB V ist. Trotz dieser Urteile weigern sich viele Krankenkassen, die Kosten für Begleitpersonen zu übernehmen. Deshalb müssen manche Familien immer noch den Rechtsweg bestreiten. 
  • Behandlungspfleger*in durch Pflegedienst: Anstelle einer Eingliederungs- oder Integrationshilfe kann auch ein Pflegedienst die Unterstützung übernehmen. Die Krankenkasse bezahlt das jedoch nur, wenn die Pflege medizinisch notwendig ist, um den Erfolg der ärztlichen Behandlung zu garantieren. 

Zusammenfassung

Die Inklusion von Kindern mit Diabetes im Kindergartenalltag ist selbstverständlich möglich und wichtig für eine altersgemäße Entwicklung. Eine offene und ehrliche Kommunikation mit dem Betreuerteam und eine qualifizierte Schulung durch erfahrene Diabetesberater*innen sind dafür unverzichtbar. Unterstützung finden Eltern bei Ihrem Diabetesteam und bei Bedarf durch eine individuelle Kindergartenbegleitung über die so genannte Eingliederungs- oder Integrationshilfe. Mit dem richtigen Netzwerk und passenden Vorbereitungen können Eltern dazu beitragen, dass ihr Kind mit Typ-1-Diabetes eine unbeschwerte und sichere Kindergartenzeit erleben kann.