TEDDY-Studie überrascht: Familiärer Typ-2-Diabetes kann die Entwicklung eines Typ-1-Diabetes bremsen
Wer hätte das gedacht? Die EASD (European Association for the Study of Diabetes) berichtet von einer interessanten Erkenntnis, die sich aus der TEDDY-Studie (siehe unten) ergeben hat und die in der Fachzeitschrift Diabetologia veröffentlicht wurde: Wenn ein Kind mit bereits bestehender Inselautoimmunität (als erste Vorstufe eines Typ-1-Diabetes) aus einer Familie kommt, in der Typ-2-Diabetes vorkommt, schreitet dessen Typ-1-Diabetes offenbar langsamer voran.
Bei der Entstehung von Typ-1-Diabetes werden zwei Phasen unterschieden: die Entwicklung von Inselautoimmunität und das Fortschreiten der klinischen Erkrankung. Schon bekannt war die Tatsache, dass das Risiko dafür steigt, Inselautoimmunität zu entwickeln, wenn in der Familienhistorie bereits Typ-1-Diabetes existiert. Neu ist dagegen der Zusammenhang, dass das Vorliegen von Typ-2-Diabetes in der Familiengeschichte vor dem Fortschreiten der Inselautoimmunität hin zur klinisch manifesten Typ-1-Diabetes-Erkrankung schützt.
Konkret: Haben Kinder Verwandte zweiten Grades wie Großeltern, Tante, Onkel oder Halbgeschwister mit Typ-2-Diabetes, ist das Fortschreiten der Autoantiköperpositivität hin zu einer klinischen Diagnose von Typ-1-Diabetes signifikant verzögert. Auf die vorangehende Entwicklung der Inselautoimmunität generell hat diese Konstellation allerdings keinen Einfluss.
Den Zeitpunkt, als 80 % der TEDDY-Kinder mit anhaltender Inselautoimmunität noch keinen Typ-1-Diabetes entwickelt hatten, erreichten Kinder mit entsprechender Typ-2-Diabetes-Familienhistorie 14,3 Monate später als die Gruppe ohne eine solche Familiengeschichte. Die Analyse legt nahe, dass dieser Effekt wahrscheinlich auch für Verwandte ersten Grades mit Typ-2-Diabetes gilt. Der verzögernde Effekt war in allen vier Studienländern gleichermaßen nachweisbar.
Suche nach Gründen
Woher kommt der Schutzeffekt? Lebensstil- oder Ernährungsumstellungen im Zusammenhang mit aktiven Diabetes-Präventionsmaßnahmen innerhalb der Familien konnten die Studienmacher als Gründe ausschließen. Auch die Art des Autoantikörpers spielte bei der Ursachenforschung keine Rolle.
Vielmehr erschien ein genetischer Hintergrund als plausible Erklärung: Gegebenenfalls haben Kinder, deren Angehörige Typ-2-Diabetes haben, eine höhere Funktionskapazität der insulinproduzierenden Betazellen der Langerhans'schen Inseln, was das Fortschreiten von Typ-1-Diabetes verlangsamen könnte. Allerdings könne selbst eine große Kohorte wie bei TEDDY diesen Effekt nicht angemessen untersuchen. Es bedürfe daher weiterer Studien zu diesem Thema, so die Analysten laut EASD-Meldung. Zudem könnten demnach weitere Faktoren den Übergang von der Inselautoimmunität zur klinischen Diagnose beeinflussen.
Ausblick: Die TEDDY-Studie und frühe Stadien von Typ-1-Diabetes
Die Studie The Environmental Determinants of Diabetes in the Young (TEDDY) ist eine große Beobachtungs-Kohortenstudie. Sie untersucht die Umweltfaktoren wie Infektionserreger, Ernährungs- und psychosoziale Faktoren, die die Entwicklung von Autoimmunität und Typ-1-Diabetes beeinflussen. Dafür wurden 8.676 Kinder (7.751 aus der Allgemeinbevölkerung und 917 mit einem Verwandten ersten Grades mit Typ-1-Diabetes) mit bestimmten Genotypen mit hohem Risiko im Jahr 2004 in klinischen Zentren in Finnland, Deutschland, Schweden und den USA als Neugeborene eingeschrieben. Aus Deutschland wurden 595 Kinder in die Studie aufgenommen. Alle Kinder werden alle drei Monate bis zum 4. Lebensjahr und anschließend alle sechs Monate bis zum Alter von 15 Jahren nachuntersucht. Von diesen Kindern entwickelten 669 dauerhafte Insel-Autoantikörper, am Ende der Nachbeobachtungszeit waren 233 Kinder zu klinischem Typ-1-Diabetes übergegangen.
Quellen: EASD, Helmholtz Zentrum München
Veijola, R., Tamura, R.N., Clasen, J.L. et al. Family history of type 2 diabetes delays development of type 1 diabetes in TEDDY children with islet autoimmunity. Diabetologia 69, 643–652 (2026). https://doi.org/10.1007/s00125-025-06613-1.